The Monty Python Live (Mostly): One Down, Five To Go – Live am 20. Juli 2014

July 21, 2014 at 11:28 pm

MP 2014

Ich war gestern im Kino. Aber einen Film gab’s nicht. Stattdessen nahm ich an einem Experiment teil, das sich ‚“Event“ nannte und 22,-Euro kostete. Das ist doppelt so viel wie ein Kinofilm. War es das wert? Irgendwie schon.

Da John Cleese eine Scheidung bezahlen muss, Terry Gilliam seit Twelve Monkeys auf seinen nächsten Filmerfolg wartet, Michael Palin ja nicht das ganze Jahr über reisen kann, Terry Jones noch immer auf seine nächste Regiearbeit hofft und Eric Idle zu viel Spaß an Bühnenshows hat, dachten sich die überlebenden Mitglieder von Monty Python nun doch – nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder – eine Liveshow zu veranstalten.

Über die Qualität lässt sich streiten. Ich fand es toll, die alten Sketche zu sehen (natürlich den Dead Parrot und The Spanish Inquisition) und auch ihre Songs zu hören (ich habe mal meine eigene Version vom Lumberjack gefilmt und hege daher eine persönliche Liebe zu dem Stück). Ein paar neue Sachen waren auch dabei. Die meisten Lacher gab es aber immer, wenn die „alten Säcke“ etwas vom Buch abwichen und improvisierten (bzw. sich gegenseitig zum Lachen brachten). Ich denke, dass die Truppe so auch neue Fans gewinnen konnte. Es war aber nicht alles so lustig wie es sein sollte. Und Erics Liebe zum Musical mag bei Spamelot am Broadway besser aufgehoben sein, als in der O2-Arena in London. Obwohl die Tanzeinlagen schon sehr beeindruckend waren. Nur eben nicht so lustig.

Gilliam schien von allem am meisten Spaß zu haben, war sowieso schon immer der Clown, der sein Gesicht zur Fratze verzog und kaum Text hatte. Idle sang mit voller Inbrunst. Jones hatte Mühe, vom Spickzettel abzulesen, was Cleese dazu brachte, ihm den aus der Hand zu reißen und selbst zu zitieren. Das war eine der lebendigsten Einlagen des großen Meisters, der doch etwas abwesend wirkte und es sich nicht nehmen ließ, einen Kritiker der Live-Show beim Namen zu nennen und ihn als Arschloch zu titulieren. Palin sah das Ganze wohl wie eine nette Wiedervereinigung von Freunden, bei der man auch etwas Faxen machen durfte. Und Graham Chapman wurde durch Videoeinspielungen auf riesiger Leinwand quasi wieder zum Leben erweckt.

Alles in allem hatte man aber trotzdem das Gefühl, dabei zu sein und eine echte Liveshow zu sehen. Ausgestrahlt wurde sie auf der ganzen Welt, parallel zum echten Event in London. Das deutsche Publikum war mir zwar etwas zu unbeteiligt, aber ganz zum Schluss, beim obligatorischen Always look on the bright side of life, pfiffen dann doch ein paar Leute mit. Wenn ich im Internet Beiträge zu der letzten Show – jemals? -lese, habe ich auch das Gefühl, da gewesen zu sein. Wenn ich darüber rede und schreibe, ist es fast so, als berichte ich aus der Arena und nicht aus dem Berliner Cinemaxx.

Vielleicht sollte ich mal eine dieser Konzertübertragungen im Kino testen. Es scheint doch etwas anderes zu sein, als sich eine DVD einzulegen…