Ghost in the Shell (2017) – Kritik

June 10, 2017 at 7:49 pm

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Ghost in the Shell, Regie: Rupert Sanders, 107min, USA

 

Kurz:

In naher Zukunft wird das Hirn einer Polizistin in einen künstlichen Körper verpflanzt. Als Super-Cop jagt sie nun einen Cyberterroristen, der die Hersteller ihrer Roboterhülle nach und nach zur Strecke bringt. Warum will jemand die Technologie aufhalten und warum werden die Ermittlungen von den vermeintlichen Opfern behindert?

Ein Manga wird real verfilmt und löst Kontroverse aus, weil Scarlett Johansson keine echte Asiatin ist. Dabei rettet sie den Film mehr als einmal, während dieser sein Potential zu Gunsten hübscher Bilder und cooler Effekte verpuffen lässt.

 

Lang (Spoiler):

Um es vorweg zu nehmen; der Grund warum eine Amerikanerin die Hauptrolle in Ghost in the Shell ausfüllen kann, wird am Ende des Films so beiläufig erklärt, dass man sich wünscht, er würde mehr als 107 Minuten lang sein. Schließlich wird das Hirn einer jungen Asiatin in einen Roboter-Körper verpflanzt. Und der kann eben auch aussehen wie Scarlett Johansson (zumal die Hersteller der Roboter wohl auch aus dem Westen kommen).

Wie schon in seiner Vorlage spielt er der Film auf fundamentale Themen an, die Menschlichkeit, Technologie und die Kombination aus beidem beinhalten. Leider schafft es Regisseur Rupert Sanders aber nicht, diese Themen zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen. So fragt man sich beim Zusehen, wo man eigentlich hingucken soll. Nicht mit den Augen, sondern mit dem Kopf. Was sollen all die schönen Bilder, wenn sie mich nicht ansprechen?

Im Kern geht es nämlich um so viele kleine Details, dass es sogar schwer fällt, Ghost in the Shell in eine bestimmte Kategorie zu tun. Ist es ein Sci-Fi-Film? Oberflächlich schon. Er spielt in der Zukunft und watet mit imposanten (wenn auch nicht immer überzeugenden) Computereffekten auf. Ist es ein Actionfilm? Ja, es wird schließlich geballert und gekämpft als gelte es die Gewerkschaft der Stuntleute zu retten. Ist es ein Drama? Nur in Ansätzen. Eine Detektivgeschichte? Ja, auch. Ein Polizeithriller? Bestimmt. Von allem ein bisschen, aber nie ein Ganzes. Ein guter Film lässt mich hoffen, dass da noch mehr kommen KANN. Ein schlechter Film lässt mich kalt, weil da noch mehr kommen MUSS.

Es ist vielleicht unfair, einen direkten Vergleich zu ziehen, aber dennoch muss man Ridley Scotts Blade Runner ansprechen. Einen Film, der quasi mit all den gleichen Themen wie Ghost in the Shell spielt und dabei alle Sinne befriedigt. Rein visuell steht der neue Film dem Klassiker in nichts nach, obwohl die Digitalisierung der Effekte mir persönlich immer noch nicht gefällt. Blade Runners Miniaturen und seine Set-Erweiterungen wirken zeitlos gegenüber den animierten Robotern, Vehikeln und Stadtlandschaften von Ghost in the Shell.

Die Musik von Vangelis war ein Meilenstein des elektronischen Soundtracks und auch Clint Mansel und Lorne Balfes Zusammenarbeit ist ein Erfolg, der an Daft Punks Tron:Legacy erinnert. Leider sieht es das Studio nicht so und hat statt eines echten Soundtracks nur eine Compilation mit Songs veröffentlicht. Dieses billige Marketing Tool war schon immer ein Beschiss am Kunden und zeugt auch heute noch von der Respektlosigkeit gegenüber den Komponisten und des Musikliebhabers.

Beide Filme sind eigentlich eine Detektivgeschichte. Blade Runner schickt dabei seinen Protagonisten auf die Suche nach verrückten Robotern, wobei immer die Frage bleibt, ob er nicht selbst einer von ihnen ist. In Ghost in the Shell steckt ein menschliches Hirn in einem Roboter. Die Protagonistin Major sucht nach einem Killer, der sich als ihr Vorgängermodell herausstellt. In beiden Filmen suchen die Hauptfiguren also nach sich selbst. Aber wo es der Klassiker schafft, subtil an der eigenen Menschlichkeit zu zweifeln, haut der neue Film mit dem Holzhammer drauf, lässt das Thema aber irgendwie doch nur als Nebensächlichkeit dahinplätschern. Während in Blade Runner die Leute Schiss haben, vor den künstlichen Menschen (zu Recht?), scheint die Erweiterung, also das Aufrüsten der Marke Mensch, Hauptantrieb der Welt von Ghost in the Shell zu sein. Nur wird nie klar, warum man das denn wollen würde. Majors Kollege Batou (ebenfalls kein Asiate) wird bei einem Einsatz verletzt und lässt sich seine beschädigten Augen durch künstliche Linsen ersetzen. Er scheint damit recht glücklich, was vielleicht ein Gegenbeispiel zum Major sein soll. Ist er damit die Ausnahme oder die Regel? Lohnt es sich also nur, zum halben Roboter zu werden, wenn es die Krankenkasse übernimmt? Sind die Operationen gefährlich? Sollen die Ersatzteile auf den menschlichen Wunsch nach Perfektion, Unsterblichkeit oder Bewusstseinserweiterung anspielen? Wir erfahren es nie.

Und was bedeutet Menschsein? Diese Frage wird nur auf Major abgewälzt, weil ihre Umwelt sie nicht beantwortet. Im Hongkong oder Tokio dieses Films (die Stadt wird nie vorgestellt) wollen also alle Menschen zu halben Robotern werden, ohne zu wissen warum. Major ist das einzige Geschöpf, das diesem Wunsch nahe kommt und sie hat offenbar große Probleme mit dieser Rolle. Auch hier wählt Blade Runner die interessantere Sichtweise, wenn der Protagonist ähnlichen Fragen ausgesetzt wird, diese aber durch sein Gegenüber reflektieren muss: Der Erfinder der Maschinen wird von seiner eigenen Schöpfung ermordet. Dem Killer-Roboter steht der Unschulds-Roboter gegenüber, in den sich der Protagonist auch noch verliebt. Am Ende des Films philosophiert selbst der Mörder über den Sinn des Lebens und berührt uns mit seiner Menschlichkeit.

Wenn also die „wichtigen Fragen der Menschheit“ in Ghost in the Shell nicht beantwortet werden, bleibt wenigstens gute Unterhaltung?

Wer Geballer mag, kommt auf seine Kosten. Major und ihre Truppe schießen sich wild durch den Plot und tun dabei so, als wäre das Detektivarbeit. Tatsächlich scheint die Jagd nach Spuren zufällig abzulaufen. Jedes Mal wenn es keine Hinweise auf den Verbleib des Cyberterroristen gibt, verübt dieser einen Anschlag. So kommen Major und ihre (unwichtige) Truppe Stück für Stück, Set für Set, Schießerei für Schießerei weiter.

Enttäuschend ist die Auflösung dann trotzdem. Nicht nur, dass der Cyberterrorist ein Vorgängermodell von Major ist, nein in ihrem vorigen Leben kannten sich die beiden schon. Sie waren Ausreißer, die von der bösen, bösen Roboter-Firma eingefangen und gegen ihren Willen für Experimente missbraucht wurden.

Daraus entstehen zwei Probleme; erstens das Klischee der skrupellosen Tech-Riesen und zweitens das Ignorieren der Vorgeschichte Majors. Der Tech-Riese als Antagonist ist so alt wie das Industriezeitalter selbst und damit ziemlich uninteressant. Und um Majors Leben etwas Tiefe zu verleihen, wird ihre Mutter spät in den Film gezogen und soll so emotionales Gewicht verleihen. Aber das Wiedersehen zwischen Mutter und Tochter wirkt völlig belanglos, quasi nicht zu Ende erzählt. Also wissen wir so gut wie nichts über die Teenagerin, die später zu Major wurde. Schlimmer noch, es interessiert uns gar nicht.

Noch kurz zum allgemeinen Gefühl. Irgendwie scheint der Film total veraltet, was natürlich auch an seiner Quelle liegt. Das Manga ist von 1989. Zum Ende der Achtziger war Cyberpunk noch frisch, waren Ausreißer noch ein Thema (Wir Kinder vom Bahnhof Zoo) und die Übernahme der Welt durch Maschinen und Computerprogramme eine Bedrohung. Heutzutage geben wir unser ganzes Leben auf Facebook preis und spielen mit Drohnen Überwachungsstaat. Die Ästhetik der Bilder ist stark vom Manga bzw. Anime inspiriert, die Musik eine Hommage an Elektrosynth. Alles fühlt sich an, wie schon mal da gewesen und kann leider nicht durch spannende Handlung aufgewertet werden. Die Chance, die Fragen und Ängste der heutigen Zeit zu reflektieren, wurde so leider vertan.

Hollywood kann vielleicht nie tiefgründige Science Fiction produzieren. Man soll ja auch nicht unbedingt philosophierend aus dem Kinosaal kommen und sein Leben überdenken. Aber The Matrix, Interstellar, Ex Machina oder Arrival haben bewiesen, dass moderne Sci-Fi-Filme durchaus Unterhaltung und Tiefe miteinander verbinden können. Ghost in the Shell hat all die richtigen Ansätze und traut sich dennoch nicht, einen einzigen davon auszuformulieren. Somit bleibt einem die Kontroverse ums Casting mehr im Gedächtnis als der eigentliche Film.

Alien: Covenant (2017) – Kritik

June 4, 2017 at 2:11 pm

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3Sterne_lang

Alien: Covenant, Regie: Ridley Scott, 122min, USA

Kurz:

Völlig überflüssiger, unnötig brutaler aber auch absolut langweiliger Film, der die Intelligenz seines Zuschauers nicht nur anzweifelt, sondern ganz gezielt beleidigt.

Lang (Spolier!):

Ridley Scotts Fortsetzung zu Prometheus (2012) soll die Brücke zu seinem Meisterwerk Alien (1979) schlagen und verfehlt nicht nur dieses Ziel, sondern auch die Aufgabe, die Fragen des letzten Films befriedigend zu beantworten. Er zeigt einmal mehr, dass das Alien-Franchise im Grunde genommen tot ist und dass Scott überhaupt keine Lust hat, es wiederzubeleben. Dem Regisseur sind seine menschlichen Charaktere völlig egal – damit disqualifiziert sich der Film als Prometheus-Sequel. Ihm sind aber auch die Monster egal – damit disqualifiziert sich der Film als Alien-Prequel. Stattdessen wird uns hier ein Film angeboten, der den Protagonisten und Antagonisten in Form eines Androiden präsentiert. Damit kann man sich nur schwer identifizieren, auch wenn Michael Fassbender in der Doppelrolle des zurückhaltenden Walter und des verrückten David schauspielerisch glänzt.
Aber was ist schlimmer? Ein Alien-Film ohne sein Titel-Monster oder ein Alien-Film ohne Sinn und Verstand? Da wo der Vorgänger noch versuchte, pseudointellektuell die Ursprünge des menschlichen Lebens zu ergründen, haut Alien: Covenant mit dem Holzhammer drauf, um uns die Ursprünge des schwarzen Monsters zu erklären: David. Ja, der Roboter des letzten Films, dessen Arschloch-Attitüde schon in einigen Momenten durchscheinen durfte, wird vollends zum verrückten Frankenstein hochstilisiert. Keine Alien-Queen, die Eier legt, nein ein durchgeknallter Android hat diese perfekte Spezies erschaffen. Unter anderem nutze er dafür die Leiche der Heldin des letzten Films. Jawohl, so scheisst man noch retroaktiv auf den Vorgängerfilm. Scott meinte in einem Interview verstanden zu haben, was dem Zuschauer 2012 fehlte: das Original Monster. Nicht etwa glaubwürdige Charaktere oder echte Spannung, nein, es war wohl nur das falsche Design. Und bloß keine gottesähnlichen Glatzköpfe, die sich unter uralten Helmen verbargen. Also ist die logische Konsequenz, einen Film zu präsentieren, der die Glatzköpfe per Genozid auslöscht und das Originaldesign zurückbringt.
Im Netz gibt es inzwischen Unmengen an Analysen, was alles mit diesem Film falsch läuft, warum das Alien-Franchise tot ist und warum man Scott keinen Film mehr machen lassen sollte. Das kann man sich durchlesen und allem zustimmen. Oder man überlegt einfach, warum die letzten zwanzig Minuten von Alien: Covenant nicht funktionieren. Liegt es daran, dass wir das Monster-im-Schiff-Szenario schon mal gesehen haben und überhaupt keine Spannung aufkommt? Dass uns keiner der toten Charaktere interessiert? Dass ihre Tode zwar absolut ekelig inszeniert wurden, aber leider in keiner Weise etwas bedeuten? Dass der Sieg über das Monster eine Wiederholung von allem bisherigen ist? Oder dass uns das alles nicht interessiert, weil wir als Zuschauer nur darauf warten, dass sich der gute Roboter Walter dann doch als der böse Roboter David herausstellt (ein „Twist“ der allein durch die Prämisse von zwei Michael Fassbenders von vornherein klar ist und die Intelligenz eines jeden erwachsenen Zuschauers beleidigt)?
Die Antwort ist: ja. Ja, all diese Fehler wurden gemacht und zu einem absolut bescheuerten, uninspirierten Mist gemixt, der weder den Regisseur Ridley Scott verdient, noch den Eintrag in die Alien-Historie.
Ach ja, zumindest die Musik ist toll, weil sie Jerry Goldsmiths Originalthema wiederverwendet. Macht zwar keinen Sinn, klingt aber gut.

Mad Max: Fury Road (2015) – Kritik

May 21, 2015 at 4:47 pm

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Mad Max: Fury Road, Regie: George Miller, 120min, Australien/USA

10Sterne_lang

Kurz:
Brumm!! Roar!!! Bäng!!! Geil, geil, geil!!! Ein bahnbrechendes Action-Spektakel. Visuell grandios in Szene gesetzte Stunts machen diese apokalyptische, fast zweistündige Verfolgungsjagd zu einem absoluten Kino-Besuch-Muss. Ein Film der für die große Leinwand gemacht wurde.

Lang (Spoiler):
Die Handlung dieser losen Fortsetzung der MadMax-Filme ist schnell erzählt. In der Zukunft ist die Erde zu einer trostlosen Wüste geworden, in der sich Gangs um den letzten Tropfen Benzin und das arme Fußvolk um ein paar Tropfen Wasser kloppen. Beides wird von Immortan Joe (Hugh Keays Byrne) bereitgestellt, der offenbar eine Art König in dieser verschrobenen Welt aus Schrott und Gewalt ist. Doch als seine Soldatin Furiosa (Charlize Theron) seine (schwangeren) Ehefrauen entführt, setzt er sich und seine Armee daran, die längste und spektakulärste Verfolgungsjagd überhaupt ins Rollen zu bringen. Mittendrin Max (Tom Hardy), der Außenseiter, der zu Hilfe kommt, obwohl er gar nicht will.
Trotz – oder gerade wegen – dieser simplen Handlung entfaltet der Film eine grandiose Geschichte, ein visuelles Erzählkino, das auf Grund der vielen echten Stunts und In-Camera-Shots frischer und moderner wirkt als so manche computergesteuerte Comic-Verfilmung. Man ist einfach mitten drin im Geschehen. Das liegt auch an George Millers überragender Regie. Wie er aus diesem rasenden Zirkus ein einheitliches Ganzes strickt ist schon erstaunlich. Nie verliert der Zuschauer die Übersicht. Nie muss man sich fragen, wo man denn hinschauen soll, um nichts zu verpassen. Dabei wirken der Schnitt und die Kamera zu keinem Zeitpunkt altbacken, oder dem Alter des Regisseurs „angemessen“. Dem 70-jährigen Miller gelingt tatsächlich etwas, woran fast alle Franchises der 80er gescheitert sind: eine quasi-Neuauflage der alten Idee in neuem Glanz.
Was haben sie uns nicht alles kaputtgemacht: Star Wars, Indiana Jones, Die Hard, Alien, Predator, Terminator… eigentlich sind alle neuen Versionen gescheitert. Nicht so Mad Max! Miller nimmt die besten Teile der ursprünglichen Serie und multipliziert sie mit zehn. Die Fahrzeuge sind irre Frankenstein-Monster mit noch mehr Power als zuvor. Die Stunts sind so unglaublich, dass man denkt, der Cirque du Soleil hätte eine Überdosis Drogen genommen. Die Landschaften sind nicht nur öde Dünen, sondern verzaubernde Wüstenskulpturen. Die Bilder sind farbenfroh in leuchtendem Orange und Blau gehalten. Die Musik (komponiert von Junkie XL) gleicht einem Besuch im Hardcore-Techno-Club und kann mit ihrem ständigen Getrommel die rastlose Atmosphäre einer andauernden Verfolgungsjagd anheizen.
Der Trailer des Films war ja mein Liebling des letzten Jahres. Darin wird Miller großkotzig als „Mastermind“ bezeichnet. Was normalerweise eine maßlose Übertreibung der Marketingabteilung ist, muss in diesem Falle als nur all zu passend beschrieben werden. Man spürt quasi in jeder Minute den Meister aller Klassen. Schon jetzt überschlagen sich Filmkritiker mit Lob für das logistische Geschick, die visuelle Erzählweise, oder einfach das runde Gesamtpaket, das da abgeliefert wird. War die ursprüngliche Trilogie eine Grundlage für unzählige Kopien (u.a. das bekannteste Musikvideo von Tupac) und Inspiration für jede-Stuntshow-ever, wird Mad Max: Fury Road wieder einmal Maßstäbe setzen. Das Action-Genre bekommt den Spiegel vorgesetzt und seine Reflektion schreit „So macht man das!“ Michael Bay würde sich in Depressionen stürzen, weil mit jeder Minute Fury Road seine eigene Unzulänglichkeit als Bum-Bum-Explosions-Regisseur ersichtlich wird – wenn Michael Bay denn zu irgendeiner Art Selbstreflexion fähig wäre. Ach ja, sämtliche Stuntshow-Planer in der Welt atmen auf, weil sie sich kein neues Konzept ausdenken müssen, sondern die alten Schrottkarren und Lederklamotten wieder rausholen dürfen. Denn wer will so ein Spektakel nicht live erleben?
Bis man aber mal wieder von einer heißen Explosionswelle erfasst wird, die einem in der benzinstinkenden Arena der Universal-Studios (oder Babelsberg) entgegenschlägt, kann man aber getrost noch zwei bis drei Mal ins Kino gehen, weil sich auch ein wiederholter Besuch immer lohnt. Das erste Mal ist man von der schieren Verrücktheit des Films erfasst, beim nächsten Mal kann man sich etwas mehr auf die Handlung konzentrieren, die doch nicht so simpel ist, wie so manch ein Kunst-Kino-Kritiker befürchtet und vor allem durch das grandiose „word building“ gewinnt. Da kommen dann plötzlich die feministischen Züge des Films durch, und die Details der vorgelebten Gesellschaft, die Immortan Joe erschaffen hat und die sich gar nicht so sehr von unserer eigenen unterscheidet.
Miller hat schon weitere Filme angekündigt. Hoffen wir, dass er die Qualität dieses Meisterwerkes halten kann. Es wäre ein Gewinn für Zuschauer und Filmemacher zugleich.

Ant-Man (2015) – Trailer

January 8, 2015 at 12:07 am

Der Film, den Edgar Wright verließ, weil er sich nicht auf das Marvel-Universum einlassen konnte, sieht jetzt aus, wie ein typischer Marvel-Film. Ob da Paul Rudd was mit seinem Humor gegen tun kann, bleibt abzuwarten. Michael Douglas und Evangeline Lily runden das Ganze hoffentlich zu dem Spaß ab, der ein Comicfilm über einen ameisengroßen Superhelden sein sollte.

Deutschlandstart: 23.07.2015

Und weil das Original nicht so viel hergibt, hat sich jemand dran gemacht und eine bessere Version des Trailers geschnitten:

 

Star Wars: The Force Awakens (2015) -Trailer

November 30, 2014 at 1:22 am

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Der Teaser für Episode 7 zeigt kaum etwas und ist dabei doch sehr, sehr cool. Liegt wohl auch an der dramatischen Stimme von Andy Serkis und der eigens komponierten Musik von John Williams. Und darauf müssen wir jetzt ein Jahr warten?!?

Deutschlandstart: 17. Dezember 2015

Jurassic World (2015) – Trailer

November 25, 2014 at 6:47 pm

Etwas hat überlebt…

Deutschlandstart: 11. Juni 2015

Chappie (2015) – Trailer

November 5, 2014 at 9:59 pm

Nach dem enttäuschenden Elysium vielleicht ein guter Film von Neil Blomkamp? Na logo, das is’n Roboter in Afrika!! Von Dev Patel gebaut und Die Antwoord aufgezogen!

Deutschlandstart: 05. März 2015

Lucy – Kritik

October 16, 2014 at 10:38 am

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Lucy, Regie: Luc Besson, 89min, Frankreich 2014
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Kurz:
Scarlett Johannson wird in Asien mit einer Wunderdroge infiziert, die ihr Zugang zu 100% ihrer Hirnleistung gibt und dadurch zu einem Superwesen mutieren lässt. Das klingt tausend mal besser, als es in diesem konfusen, völlig banalen Luc-Besson-Film umgesetzt wurde. Glücklicherweise reicht eine normale Hirnleistung aus, um zu erkennen, dass man sich seine Zeit für etwas Besseres aufheben sollte.

Lang (Spoilers):
„Suspension of Disbelief“ umschreibt den Zustand, den ein Zuschauer erreichen muss, um in Filmen präsentierte Realitäten als „wahr“ erscheinen zu lassen. Wird dies nicht erreicht, kann er nicht in die Filmwelt eintauchen und bleibt mit verlorenem Blick von Außen vor einer Aneinanderreihung von Szenen, die ihn emotional und intellektuell kalt lassen.

Luc Besson hat ein paar tolle Filme gedreht. In den 90ern. Märchen, wie Das 5. Element, oder coole Thriller wie Leon – Der Profi. Das ist lange her und es scheint, als hätte er eine Entwicklung zurück zum Anfänger-Filmer gemacht. Wie anders soll man erklären, dass Lucy in keiner Minute funktioniert, ja dass die ganze Prämisse des Films so bescheuert ist, dass man sich ständig fragt, ob hier willentlich Verarsche am Zuschauer betrieben wird, oder ob es Besson einfach nicht interessiert hat, länger als zwei Stunden am Drehbuch zu schreiben. Die Idee, einen Über-Menschen zu kreieren, noch dazu eine junge, schöne Frau, ist ja nicht neu, sondern wurde von ihm im 5. Element grandios umgesetzt. Aber zu denken, man könne die Sci-Fi-Elemente des Märchens entfernen und trotzdem zu einem überzeugenden Ergebnis kommen, lässt erahnen, dass der Regisseur und Autor hier tatsächlich nur 10% seines Hirns benutzt hat. Und darum geht es ja: dass wir Menschen nur einen Bruchteil unseres Denkapparats benutzen und uns daher die ganze Welt verschlossen bleibt. Mal abgesehen davon, dass diese These schon seit Jahrzehnten widerlegt wurde, ist es schon völlig hanebüchen, die 20%-Hürde durch eine Wunderdroge knacken zu können.

Aber genau das will uns Besson hier weismachen. Lucy, ein junges Dummchen in Asien, wird unfreiwillig zur menschlichen Drogenlieferantin. Sie trägt ein mysteriöses Paket in ihrem Bauch – super beim eigenen 5. Element geklaut – soll das eine Homage sein oder ist das Schreibfaulheit? Dann reißt das Paket und setzt die Droge in ihrem Organismus frei. Und schwups, hat man die nächste Stunde Zeit, sich mit anzusehen, wie Lucys Hirnaktivität Sprünge macht, von 30% zu 100% und sie damit vom Menschen zu Gott werden lässt. Weil, ist ja klar, wir sind alle Götter, die ihr Potential nicht kennen. Logo, so hat das die Natur gemacht. Am Ende können wir Zeitreisen (oder uns das Universum erklären, oder so) und werden zu Supercomputern. Das hat ja dieses Jahr schon mal richtig gut geklappt (siehe Transcendence). Morgan Freeman läuft als Wissenschaftler durchs Bild, um dem Ganzen etwas Seriöses zu geben (siehe Transcendence) und kann diesen Schrott trotzdem nicht retten (siehe Transcendence).

Aber wenigstens gibt es Action, oder? Schließlich hat Besson nicht nur Leon gedreht, sondern auch die Transporter– und Taken-Filme produziert. Wie kann es da sein, dass die Action aussieht wie aus einem Studentenfilm? Wie kann das Überwesen Lucy noch durch eine Waffe bedroht werden? Die Antwort: sie kann es nicht. Wieso gibt es am Ende des Films trotzdem einen Climax, der uns ein Hong-Kong-Kino-Shootout vorsetzt? Was macht ein Franzosen-Cop eigentlich da mittendrin?
Es bleibt die Frage, ob Besson wider besseren Wissens einen Schrott-Film gedreht hat, oder ob er sich gar nicht bewusst war, was für eine Grütze da rauskam. War ihm nicht bewusst, dass die Mutation zum Superwesen Lucy zu einer emotional kalten, nicht identifizierbaren Person macht, dass dem Publikum also keine Figur bleibt, an die er sich binden kann?

Aber ohne Gefühle ist jedes Kino ein Totgeburt. Hat Besson sich Das 5. Element seit dessen Entstehung nicht mehr angesehen? Einen Film, der „Liebe triumphiert über alles“ propagiert? Oder Leon, der im Kern doch die tiefe Freundschaft zweier Außenseiter zeigt? Oder selbst Taken, der uns zumindest halbherzig versucht, Liam Neeson als von Fürsorge getriebenen Vater zu verkaufen? Hat er einfach vergessen, was seine Filme mal besonders machte?

Vielleicht ist Lucy aber auch einfach nur zu unrealistisch. Wunderdroge, Mutation, Gottcomputer – all das könnte irgendwie funktionieren, wenn man seinem Publikum ein wenig Intelligenz zutrauen würde. Aber leider denkt Besson offenbar, dass wir unser Hirn wirklich nur in Bruchteilen nutzen. Für Lucy sind 10% allerdings noch zu viel.

Guardians of the Galaxy – Kritik

September 23, 2014 at 2:01 pm

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Guardians of the Galaxy, Regie: James Gunn, 121min, USA 2014
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Kurz: Eine bunte Verfilmung eines Comics, von dem nie jemand was vorher gehört hat, bringt den Spaß des Sommers noch einmal raus. Das Weltall war selten so unterhaltsam und abgedreht wie in diesem Abenteuer des Draufgängers „Star-Lord“ und seiner durchwachsenen Bande, die aus einer heißen Killerin, einem Muskelprotz, einem Waschbären (!) und einem Baum (!!!) besteht.

Lang (Spoiler):
Peter Quill (Chris Pratt) wird als kleiner Junge von Aliens entführt, etwa zwei Minuten nachdem seine Mutter im Krankenhaus stirbt. Zwanzig Jahre später erleben wir einen Haudegen im Stile von Indiana Jones, der sich selbst den Namen „Star-Lord“ gibt und dabei ist, eine Metallkugel aus einer Ruine zu klauen. Es beginnt ein Abenteuer, das sich durch ein rundum buntes Universum zieht.

Das Positive zuerst: Ja, dieser Film ist wirklich gelungenes Popcorn-Kino und eine der besten Comicverfilmungen überhaupt. Man sieht allen Darstellern an, dass sie ihre Rollen lieben und Spaß an deren Abenteuern haben. Der Song-Soundtrack ist durchweg unterhaltend und gibt dem Ganzen eine lockere, selbstironische Note. Die Effekte sind top, allen voran Rocket (Bradley Cooper), der computergenerierte Waschbär.

Mit genug Witz und Ironie, lustigen 80er-Jahre-Anekdoten und ohne unnötige Längen, wird man in ein Universum geworfen, dass zu Recht mit Star Wars verglichen wird. Chris Pratts Figur ist ein cooles Han-Solo-Update und Zoe Zaldanas Ghamorra eine schöne Amazone, der man gerne beim Kämpfen zusieht. Die Kostüme sind originell und genauso cool wie das gesamte Design des Films. Ja, diese Welt ist wirklich toll und ich kann es kaum erwarten, mehr von ihr zu sehen.

Die Handlung um einen Haufen Ganoven, der sich im Weltraumknast trifft und mal ebenso die Welt retten muss, ist durchzogen von lustigen Gags und aufregender Action und es macht wirklich Spaß, mitzufliegen.

Am Ende siegt die Gemeinschaft. Wenn sich das Team im Wirbelsturm der kosmischen Energie die Hände reicht, dann wird einem schon warm ums Herz. Dann kommt endlich doch die Freundschaft durch, die man diesen Figuren so sehr wünscht. Die Hoffnung, den anderen von seinen Schmerzen zu befreien, wiegt schwerer, als der Versuch einen ganzen Planeten zu retten. Darin liegt der schöne Kern des Films, den dieser doch manchmal zu verlieren scheint.

Denn es gibt auch ein paar Punkte, die die Begeisterung trüben. Der wichtigste von allen ist wohl die Tatsache, dass es sich eben nicht einfach um einen Sci-Fi-Film handelt, sondern eine Marvel-Comic-Verfilmung. Da wird uns völlig grundlos der Oberbösewicht Thanos (Josh Brolin) vorgesetzt, der den eigentlichen Schurken Ronan (Lee Pace) noch blasser aussehen lässt, als das ohnehin schon der Fall ist. Es hilft dabei nicht, dass dieser die schlechteste Animation des Films abbekommt. Dann wird einem auch eine Quasi-Erde gezeigt, die es zu retten gilt, ohne dass diese uns wirklich näher gebracht wird. Im Gegensatz dazu schafft es Star Wars, den nie gezeigten(!) Planeten Alderan greifbarer zu machen, weil sich gleich zwei Hauptfiguren mit ihm verbunden fühlen (Leia + Obi Wan). Dann gibt es noch den Collector (Benicio Del Toro), einen überkostümierten „Exposition-Lieferanten“, dessen Ambivalenz wohl überraschend sein soll, der aber trotzdem absolut farblos bleibt. Es scheint fast so, als hätte man sich nicht getraut, neben unseren Helden auch nur eine interessante Figur zu zeigen. Selbst Quills Ziehvater Yondu (Michael Rooker), dem durchaus genug Leinwandzeit eingeräumt wird, verblasst.

Abgesehen von dem Marvel-Korsett, welches den Film unbedingt größer machen will, als er es nötig hätte und ihn damit paradoxerweise einengt, gibt es aber auch Grundsätzliches anzumerken. Die Effekte funktionieren nicht immer, aber wenn man die Chance hat, den Film in 3D zu sehen, sollte man das unbedingt tun. Die Musik – ja es gibt neben Songs auch einen komponierten Soundtrack – zeichnet sich durch keinerlei Originalität aus und kann den Witz und die Leichtigkeit des Abenteuers kaum unterstützen. Und so sehr Groot (Vin Diesel) auch als cooler Charakter heraussticht, muss man diesem Baum-Geschöpf doch unterstellen, ein Riesenarschloch zu sein, denn es hat ja immer neue Tricks auf Lager, die aber erst in brenzligen Situationen angewendet werden. So ist er eine wandelnde Deus-Ex-Machina, die am Ende sogar wieder von den Toten auferstehen kann!

Und schließlich kommen wir zum Plot: Der ist so simpel und unoriginell, dass man sich die Meetings im Studio problemlos ausmalen kann: Wir wollen Indiana Jones am Anfang (Wieso ist es eigentlich so leicht, diese Kugel zu klauen, die doch so ein wertvolles Artefakt sein soll?). Wir wollen ‘ne Love-Story, die aber noch 3 Filme später frisch ist. Wir wollen einen Bösen, der die Welt bedroht, weil er… äh, böse ist. Wir brauchen ein bombastisches Finale, bei dem die ganze Welt untergehen könnte. Zwischendurch müssen wir natürlich zeigen, dass unsere Helden miteinander gar nicht so gut auskommen, damit ihre Zusammenarbeit am Schluss noch größer erscheinen darf. Peters Geschichte – der Tod der Mutter, der mysteriöse Vater, die alten Musikkassetten – ist trotzdem schön erzählt, scheint aber im Trubel des Abenteuers unterzugehen. Und für einen Film, der sich vom Look und seinen Charakteren eigentlich vom Mainstream entfernen will, bleibt die Handlung erschreckend konventionell. Das kann auch Howard The Duck nicht vertuschen.

Alien Resurrection – Newborn

September 19, 2014 at 12:57 pm

Schon vor Prometheus gab es einen Alien-Film, der nicht überzeugen konnte: Alien – Die Wiedergeburt. Besonders negativ viel das hirnrissige Neugeborene auf. Allerdings ist dieses Video zur Entstehung des Newborn mal wieder ein Fest für alle Liebhaber von Practical Effects. Von Amalgamated Dynamics hergestellt.