Alien: Covenant (2017) – Kritik

June 4, 2017 at 2:11 pm

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3Sterne_lang

Alien: Covenant, Regie: Ridley Scott, 122min, USA

Kurz:

Völlig überflüssiger, unnötig brutaler aber auch absolut langweiliger Film, der die Intelligenz seines Zuschauers nicht nur anzweifelt, sondern ganz gezielt beleidigt.

Lang (Spolier!):

Ridley Scotts Fortsetzung zu Prometheus (2012) soll die Brücke zu seinem Meisterwerk Alien (1979) schlagen und verfehlt nicht nur dieses Ziel, sondern auch die Aufgabe, die Fragen des letzten Films befriedigend zu beantworten. Er zeigt einmal mehr, dass das Alien-Franchise im Grunde genommen tot ist und dass Scott überhaupt keine Lust hat, es wiederzubeleben. Dem Regisseur sind seine menschlichen Charaktere völlig egal – damit disqualifiziert sich der Film als Prometheus-Sequel. Ihm sind aber auch die Monster egal – damit disqualifiziert sich der Film als Alien-Prequel. Stattdessen wird uns hier ein Film angeboten, der den Protagonisten und Antagonisten in Form eines Androiden präsentiert. Damit kann man sich nur schwer identifizieren, auch wenn Michael Fassbender in der Doppelrolle des zurückhaltenden Walter und des verrückten David schauspielerisch glänzt.
Aber was ist schlimmer? Ein Alien-Film ohne sein Titel-Monster oder ein Alien-Film ohne Sinn und Verstand? Da wo der Vorgänger noch versuchte, pseudointellektuell die Ursprünge des menschlichen Lebens zu ergründen, haut Alien: Covenant mit dem Holzhammer drauf, um uns die Ursprünge des schwarzen Monsters zu erklären: David. Ja, der Roboter des letzten Films, dessen Arschloch-Attitüde schon in einigen Momenten durchscheinen durfte, wird vollends zum verrückten Frankenstein hochstilisiert. Keine Alien-Queen, die Eier legt, nein ein durchgeknallter Android hat diese perfekte Spezies erschaffen. Unter anderem nutze er dafür die Leiche der Heldin des letzten Films. Jawohl, so scheisst man noch retroaktiv auf den Vorgängerfilm. Scott meinte in einem Interview verstanden zu haben, was dem Zuschauer 2012 fehlte: das Original Monster. Nicht etwa glaubwürdige Charaktere oder echte Spannung, nein, es war wohl nur das falsche Design. Und bloß keine gottesähnlichen Glatzköpfe, die sich unter uralten Helmen verbargen. Also ist die logische Konsequenz, einen Film zu präsentieren, der die Glatzköpfe per Genozid auslöscht und das Originaldesign zurückbringt.
Im Netz gibt es inzwischen Unmengen an Analysen, was alles mit diesem Film falsch läuft, warum das Alien-Franchise tot ist und warum man Scott keinen Film mehr machen lassen sollte. Das kann man sich durchlesen und allem zustimmen. Oder man überlegt einfach, warum die letzten zwanzig Minuten von Alien: Covenant nicht funktionieren. Liegt es daran, dass wir das Monster-im-Schiff-Szenario schon mal gesehen haben und überhaupt keine Spannung aufkommt? Dass uns keiner der toten Charaktere interessiert? Dass ihre Tode zwar absolut ekelig inszeniert wurden, aber leider in keiner Weise etwas bedeuten? Dass der Sieg über das Monster eine Wiederholung von allem bisherigen ist? Oder dass uns das alles nicht interessiert, weil wir als Zuschauer nur darauf warten, dass sich der gute Roboter Walter dann doch als der böse Roboter David herausstellt (ein „Twist“ der allein durch die Prämisse von zwei Michael Fassbenders von vornherein klar ist und die Intelligenz eines jeden erwachsenen Zuschauers beleidigt)?
Die Antwort ist: ja. Ja, all diese Fehler wurden gemacht und zu einem absolut bescheuerten, uninspirierten Mist gemixt, der weder den Regisseur Ridley Scott verdient, noch den Eintrag in die Alien-Historie.
Ach ja, zumindest die Musik ist toll, weil sie Jerry Goldsmiths Originalthema wiederverwendet. Macht zwar keinen Sinn, klingt aber gut.

Edge of Tomorrow – Kritik

August 10, 2014 at 7:06 pm

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Edge of Tomorrow, Regie: Doug Liman, 113min, USA 2014

8Sterne_lang

Kurz:
Und täglich grüßt das… trifft Starship Troopers. Actionreicher, sehr unterhaltsamer und überraschend lustiger Sci-Fi-Film. Tom Cruise stirbt im Kampf gegen Tentakel-Aliens und wacht „wiedergeboren“ am Tag ihrer Invasion auf. Und stirbt wieder. Und wacht wieder auf. Und stirbt wieder… Emily Blunt trainiert ihn vom Normalo zum Supersoldaten.

 
Lang (Spoiler):
Tom Cruise liefert nach Oblivion schon wieder tolle Sci-Fi-Unterhaltung, die nicht zu tief geht und deshalb bis zum Schluss Spaß macht. Regisseur Doug Liman weiß, welchen Film er da abliefert und nutzt Cruise so gut es geht. Anfangs ist seine Figur Major Cage noch der Poster-Boy des menschlichen Widerstands gegen de Alien-Invasion. Ein Schauspieler, der seine Rolle des amerikanischen Kriegsverkäufers sichtlich genießt, weil er sich dem „normalen“ Militärbetrieb entziehen kann. Ein feiger Aufschneider, der – durch einen Briten enttarnt und als Deserteur zur Infanterie runtergestuft – völlig fehl am Platz zur Front zieht. Und stirbt!

Sein Wiedererwachen wurde schon im Trailer tausendmal gezeigt und ist weniger überraschend als die Tatsache, dass die erste Stunde des Films mit der Situation („Live. Die. Repeat.“) spielend umgeht und ganz nebenbei auch noch ein paar nette Nebenfiguren zeigt. Bill Paxton setzt als Drill-Sergeant sein Mini-Comeback der letzten 2 Jahre fort. Sein Soldatenteam versucht dabei sogar an die guten Aliens-Zeiten anzuknüpfen. Ja, diese Figuren bleiben auch nur an der Oberfläche. Aber jede ist wohl besser ausformuliert als alle Transformers-Militärs es jemals waren.

Der schwächste Teil des Films sind sicherlich die Aliens. Das Design ist an Matrix-Sentinels angelegt, ihre Verbindung zueinander erinnert an die Borg und Independence Day (und da hören die Ähnlichkeiten noch lange nicht auf). Ihre „Technik“, also die Möglichkeit, Zeitsprünge zu machen, wird kaum erklärt, da man weiß, dass jede Erklärung zum Scheitern verurteilt ist. Das war beim Murmeltier tatsächlich viel besser. Man könnte die Aliens auch „Plot-Device“ nennen. Letztlich funktioniert die Handlung innerhalb dieser Stussparameter aber immer noch gut genug, weil Liman es schafft, den Fokus auf seine beiden Hauptfiguren zu legen.

Der Film schafft es sogar, aus der dünnen Emily Blunt, die kampferprobte Rita zu machen, eine tatsächlich glaubwürdige Kriegerin. Gleichzeitig lässt er Spiel für eine zaghafte Love-Story.

Die Special Effects sind top, es wird geballert was das Zeug hält. Stunts ebenso. Die Visual Effects fließen nahtlos in die Handlung. Wer dachte, die Mecha-Suits könnten mit den eleganten Elysium-Versionen nicht mithalten, wird eines besseren belehrt. Es ist erfrischend zu sehen, dass die Anzüge quasi Standardgrößen sind, welche Cruise & Co zu Beginn des Films mehr behindern als helfen. Natürlich passt ihm seine Rüstung besser, je länger der Film geht und je versierter er mit dem Militärequipment umgehen kann. Da hat sich jemand endlich mal Gedanken gemacht!

Soweit alles toll. Natürlich stinkt das Ende ein bisschen ab, weil man doch quasi auf Hollywood nicht verzichten wollte. Aber es passt zur Gesamthandlung und zu dem Thema „obskure Sci-Fi“ irgendwie dazu, dass Cage nicht nur überlebt, sondern auch eine Chance auf Happy End mit Rita hat.