Nicht mein Tag – Kritik

January 17, 2014 at 4:44 pm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Peter Thorwarth, 110 min, Deutschland 2014

6Sterne

Kurz:
Nettes Roadmovie mit einem Bankräuber, der einen Angestellten als Geisel nimmt, damit er sich sein Traumauto kaufen kann. Mit dünnem Axel Stein und fluchendem Moritz Bleibtreu. Ein paar Lacher, ein bisschen Gangster, sogar ganz gute Action, aber dafür kann man auch auf die DVD warten.
Peter Thorwarths vierter Film kommt nicht an Bang Boom Bang ran, ist aber besser als Goldene Zeiten.

Lang (SPOILER):
Der gelangweilte Bankangestellte Till (Stein) lehnt einen Autokredit für einen Ford Mustang ab, den sich ein fluchender Kunde (Bleibtreu) so gern kaufen würde. Der Möchtegernrennfahrer entpuppt sich am Tag darauf als Bankräuber „Nappo“, der Till kurzerhand zur Geisel  macht. Till wird im Kofferraum eingesperrt und muss mit seiner Gitarre für Musik im Versteck sorgen, schließlich kommt es tatsächlich zum Mustang-Kauf und Nappo lässt den Familienvater wieder gehen. Der jedoch findet Gefallen am Gangsterleben und steigt zurück in die Karre, nachdem er seine Frau bei einem (vermeintlichen) Ehebruch erwischt. Genau die richtigen Voraussetzungen, um nach Amsterdam zu fahren und ein krummes Geschäft mit ein paar Albanern zu machen.

Die Handlung ist eigentlich damit durch. Aber darum geht es ja kaum bei diesem vierten Film von Peter Thorwarth. Man will ein bisschen Pulp Fiction nach Deutschland bringen. Auch mal einen Gangster-Film machen. Kleinkriminelle den Normalos gegenüberstellen und damit ein paar Lacher provozieren. Das funktionierte bei Thorwarths Erstlingswerk Bang Boom Bang grandios, wirkt aber bei Nicht mein Tag doch recht aufgesetzt, was auch daran liegen kann, dass das Drehbuch auf einem Roman von Ralf Husmann basiert. Ein bisschen wirkt die Handlung wie Malen-nach-Zahlen. Husmann hat sich ja schon als The Office-Plagiator hervorgetan, der bis heute seine Serie Stromberg als Eigenkreation ansieht (obwohl seit der zweitel Staffel das Original im Abspann aufgeführt werden muss). Also lastet der Originalitäts-Faktor auf Thorwarths Schultern.

Tatsächlich ist aber einer der größten Schwachpunkte der Unna-Trilogie geschuldet, denn sämtliche Zitate und Seitenhiebe auf frühere Filme (eigentlich nur Bang Boom Bang) wirken völlig fehl am Platz. Sei es das Nummernschild des Mustangs (von Keek’s Karre geklaut), Ralf Richters Gastauftritt (nebst „Mann, doh!“-Zitat), eine Szene mit Christian Kahrmann als Mark Kampmann, oder das ganz Schlimme „Wieder so ein todsicheres Ding“ auf dem Plakat des Films. Denn wo die Vorgänger noch authentisch wirkten, hat man mit Nicht mein Tag einen „echten“ Film vor sich, also ein rein fiktives Gebilde, dem leider Flair und Lokalkolorit fehlen.

Die Darsteller versuchen also ihr Bestes, so „filmisch“ wie möglich zu wirken. Ganz gut kommt dabei Axel Stein weg, der es mit Vollbart und gefühlten 50 Kilo weniger schafft, den gelangweilten Angestellten ebenso rüberzubringen, wie den frustrierten, später besoffenen und noch später geläuterten Ehemann zu spielen. Auch Anna Maria Mühe als seine Ehefrau kommt ganz echt rüber. Moritz Bleibtreu kann anfangs nicht so richtig als fluchender Assi überzeugen (immer nur „ficken“ rufend) und wird erst in der zweiten Hälfte des Films glaubwürdig. Er ist halt der Gangster mit Herz. Seine Freundin, von Jasmin Gerat gespielt, kann sich stattdessen nicht so recht entscheiden, ob sie jetzt Dummchen oder Zicke sein will. Man nimmt ihr das Proletensein einfach nicht ab. Und das trifft dann auch auf sämtliche anderen Charaktere zu. Sei es die rumvögelnde Familienfreundin (in Drehbuchkreisen auch „Plot Device“ genannt, da sie nur eine Funktion hat, nämlich den Ball ins Rollen zu bringen). Sei es Ralf Richter als Autoschieber „Langer“, oder sein Sohn Maxwell Richter als dessen Balg „Kurzer“. Von der fiktiven Rockband „Donar“ ganz zu schweigen. Wo sind Leute wie „Schlucke“, „Ratte“, oder „Werner Kampmann“, wenn man sie braucht?

Der Film hat also weniger ausgefallene Charaktere, als man sich wünschen würde. Und die Witze sind so spärlich verteilt, dass man sich manchmal fragt, ob Thorwarth immer eine Komödie drehen wollte, oder eigentlich einen ernsten Film. Vor allem zum Ende hin wird es dann doch recht düster. Es gibt aber immerhin ein paar gute Sachen: das Kölner Navi ist der Hammer (schön bescheuert von Tom Gerhardt gesprochen), die Geburtstagsfeier in der Bank (mit schlechter Gesangseinlage), eine typisch deutsche AB-Ansage, ein paar Möpse (da sind wir ja weniger prüde als in US-Filmen) und Mark Kampmann im Porsche (selbst wenn’s fehl am Platz ist). Davon hätte ich mir sehr viel mehr gewünscht (und gerne auf einen Gastauftritt von Produzent Til Schweiger verzichtet).

Alles in allem ist Nicht mein Tag nicht schlecht. Vielleicht muss Thorwarth nach 8 Jahren Drehpause einfach wieder warm werden. Hoffen wir, dass der nächste Film etwas schneller kommt.