Mad Max: Fury Road (2015) – Kritik

May 21, 2015 at 4:47 pm

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Mad Max: Fury Road, Regie: George Miller, 120min, Australien/USA

10Sterne_lang

Kurz:
Brumm!! Roar!!! Bäng!!! Geil, geil, geil!!! Ein bahnbrechendes Action-Spektakel. Visuell grandios in Szene gesetzte Stunts machen diese apokalyptische, fast zweistündige Verfolgungsjagd zu einem absoluten Kino-Besuch-Muss. Ein Film der für die große Leinwand gemacht wurde.

Lang (Spoiler):
Die Handlung dieser losen Fortsetzung der MadMax-Filme ist schnell erzählt. In der Zukunft ist die Erde zu einer trostlosen Wüste geworden, in der sich Gangs um den letzten Tropfen Benzin und das arme Fußvolk um ein paar Tropfen Wasser kloppen. Beides wird von Immortan Joe (Hugh Keays Byrne) bereitgestellt, der offenbar eine Art König in dieser verschrobenen Welt aus Schrott und Gewalt ist. Doch als seine Soldatin Furiosa (Charlize Theron) seine (schwangeren) Ehefrauen entführt, setzt er sich und seine Armee daran, die längste und spektakulärste Verfolgungsjagd überhaupt ins Rollen zu bringen. Mittendrin Max (Tom Hardy), der Außenseiter, der zu Hilfe kommt, obwohl er gar nicht will.
Trotz – oder gerade wegen – dieser simplen Handlung entfaltet der Film eine grandiose Geschichte, ein visuelles Erzählkino, das auf Grund der vielen echten Stunts und In-Camera-Shots frischer und moderner wirkt als so manche computergesteuerte Comic-Verfilmung. Man ist einfach mitten drin im Geschehen. Das liegt auch an George Millers überragender Regie. Wie er aus diesem rasenden Zirkus ein einheitliches Ganzes strickt ist schon erstaunlich. Nie verliert der Zuschauer die Übersicht. Nie muss man sich fragen, wo man denn hinschauen soll, um nichts zu verpassen. Dabei wirken der Schnitt und die Kamera zu keinem Zeitpunkt altbacken, oder dem Alter des Regisseurs „angemessen“. Dem 70-jährigen Miller gelingt tatsächlich etwas, woran fast alle Franchises der 80er gescheitert sind: eine quasi-Neuauflage der alten Idee in neuem Glanz.
Was haben sie uns nicht alles kaputtgemacht: Star Wars, Indiana Jones, Die Hard, Alien, Predator, Terminator… eigentlich sind alle neuen Versionen gescheitert. Nicht so Mad Max! Miller nimmt die besten Teile der ursprünglichen Serie und multipliziert sie mit zehn. Die Fahrzeuge sind irre Frankenstein-Monster mit noch mehr Power als zuvor. Die Stunts sind so unglaublich, dass man denkt, der Cirque du Soleil hätte eine Überdosis Drogen genommen. Die Landschaften sind nicht nur öde Dünen, sondern verzaubernde Wüstenskulpturen. Die Bilder sind farbenfroh in leuchtendem Orange und Blau gehalten. Die Musik (komponiert von Junkie XL) gleicht einem Besuch im Hardcore-Techno-Club und kann mit ihrem ständigen Getrommel die rastlose Atmosphäre einer andauernden Verfolgungsjagd anheizen.
Der Trailer des Films war ja mein Liebling des letzten Jahres. Darin wird Miller großkotzig als „Mastermind“ bezeichnet. Was normalerweise eine maßlose Übertreibung der Marketingabteilung ist, muss in diesem Falle als nur all zu passend beschrieben werden. Man spürt quasi in jeder Minute den Meister aller Klassen. Schon jetzt überschlagen sich Filmkritiker mit Lob für das logistische Geschick, die visuelle Erzählweise, oder einfach das runde Gesamtpaket, das da abgeliefert wird. War die ursprüngliche Trilogie eine Grundlage für unzählige Kopien (u.a. das bekannteste Musikvideo von Tupac) und Inspiration für jede-Stuntshow-ever, wird Mad Max: Fury Road wieder einmal Maßstäbe setzen. Das Action-Genre bekommt den Spiegel vorgesetzt und seine Reflektion schreit „So macht man das!“ Michael Bay würde sich in Depressionen stürzen, weil mit jeder Minute Fury Road seine eigene Unzulänglichkeit als Bum-Bum-Explosions-Regisseur ersichtlich wird – wenn Michael Bay denn zu irgendeiner Art Selbstreflexion fähig wäre. Ach ja, sämtliche Stuntshow-Planer in der Welt atmen auf, weil sie sich kein neues Konzept ausdenken müssen, sondern die alten Schrottkarren und Lederklamotten wieder rausholen dürfen. Denn wer will so ein Spektakel nicht live erleben?
Bis man aber mal wieder von einer heißen Explosionswelle erfasst wird, die einem in der benzinstinkenden Arena der Universal-Studios (oder Babelsberg) entgegenschlägt, kann man aber getrost noch zwei bis drei Mal ins Kino gehen, weil sich auch ein wiederholter Besuch immer lohnt. Das erste Mal ist man von der schieren Verrücktheit des Films erfasst, beim nächsten Mal kann man sich etwas mehr auf die Handlung konzentrieren, die doch nicht so simpel ist, wie so manch ein Kunst-Kino-Kritiker befürchtet und vor allem durch das grandiose „word building“ gewinnt. Da kommen dann plötzlich die feministischen Züge des Films durch, und die Details der vorgelebten Gesellschaft, die Immortan Joe erschaffen hat und die sich gar nicht so sehr von unserer eigenen unterscheidet.
Miller hat schon weitere Filme angekündigt. Hoffen wir, dass er die Qualität dieses Meisterwerkes halten kann. Es wäre ein Gewinn für Zuschauer und Filmemacher zugleich.