Kritik – 20,000 Days On Earth

October 22, 2014 at 12:07 pm

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20,000 Days On Earth, Regie: Iain Forsyth & Jane Pollard, 97min, Großbritannien 2014
7Sterne_lang

Als ich vor knapp 20 Jahren Nick-Cave-Fan wurde, war ich schon fast zu spät dran. Der Mann hatte immerhin eine turbulente Karriere in den Achtzigern begonnen, die – angetrieben von verschiedensten Drogenexperimenten und Undergroundkonzerten – seinen punkigen RocknRoll schön am Mainstream vorbei manövrierte. Dennoch waren es die Neunziger, in denen der Name „Nick Cave and The Bad Seeds“ nicht mehr nur in versteckten Hinterhöfen zu finden war. Ein Duett mit Kylie Minogue brachte die Band sogar in die Charts und so lernten auch mehr Deutsche Caves Musik kennen – ein Jahrzehnt nachdem er in West-Berlin die Bad Seeds gegründet hatte. In diesem Absatz versteckt sich wahrscheinlich mehr Information, als in dem ganzen Film 20.000 Days On Earth, der weniger eine Biografie, denn ein Puzzle ist. Dessen Teile sind nicht immer passend aneinandergereiht, geschweige denn gut erkennbar.

Für jemanden, der von Nick Cave noch nie etwas gehört hat, ist dieser Film daher wohl recht verwirrend. Das episodenhafte Porträt eines Mannes und seiner Musik. Gespickt mit Gästen wie Ray Winstone, Blixa Bargeld, Kylie Minogue, einem Psychiater (!), Archivaren und verschiedensten Erinnerungsstücken. Zwischendurch immer wieder Musik. Ein paar ganze Songs verstecken sich im Film, ebenso wie Proben, Aufnahmen und Erinnerungen an vergangene Gigs. Teilweise hat man das Material schon im letzten Jahr bei einem Konzert sehen können, als das neue Album „Push The Sky Away“ (2013) vorgestellt wurde. Iain Forsyth and Jane Pollard haben die Entstehung des Albums dokumentiert und ihren Film quasi um diese Dokumentation herum gebaut. Man kann sich fragen, wie „echt“ 20,000 Days wirklich ist und wie viel des Erzählten denn nur der Fantasie Caves entsprang. Das macht einen gewissen Reiz aus und passt sehr gut ins Gesamtkonzept des Films, der weder echte Dokumentation, noch fiktives Werk sein will.

Eine Empfehlung für jeden Fan und auch für Leute, die einer besonderen Mischung aus Punk, Rock und Poesie begegnen möchten.