Guardians of the Galaxy – Kritik

September 23, 2014 at 2:01 pm

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Guardians of the Galaxy, Regie: James Gunn, 121min, USA 2014
8Sterne_lang

Kurz: Eine bunte Verfilmung eines Comics, von dem nie jemand was vorher gehört hat, bringt den Spaß des Sommers noch einmal raus. Das Weltall war selten so unterhaltsam und abgedreht wie in diesem Abenteuer des Draufgängers „Star-Lord“ und seiner durchwachsenen Bande, die aus einer heißen Killerin, einem Muskelprotz, einem Waschbären (!) und einem Baum (!!!) besteht.

Lang (Spoiler):
Peter Quill (Chris Pratt) wird als kleiner Junge von Aliens entführt, etwa zwei Minuten nachdem seine Mutter im Krankenhaus stirbt. Zwanzig Jahre später erleben wir einen Haudegen im Stile von Indiana Jones, der sich selbst den Namen „Star-Lord“ gibt und dabei ist, eine Metallkugel aus einer Ruine zu klauen. Es beginnt ein Abenteuer, das sich durch ein rundum buntes Universum zieht.

Das Positive zuerst: Ja, dieser Film ist wirklich gelungenes Popcorn-Kino und eine der besten Comicverfilmungen überhaupt. Man sieht allen Darstellern an, dass sie ihre Rollen lieben und Spaß an deren Abenteuern haben. Der Song-Soundtrack ist durchweg unterhaltend und gibt dem Ganzen eine lockere, selbstironische Note. Die Effekte sind top, allen voran Rocket (Bradley Cooper), der computergenerierte Waschbär.

Mit genug Witz und Ironie, lustigen 80er-Jahre-Anekdoten und ohne unnötige Längen, wird man in ein Universum geworfen, dass zu Recht mit Star Wars verglichen wird. Chris Pratts Figur ist ein cooles Han-Solo-Update und Zoe Zaldanas Ghamorra eine schöne Amazone, der man gerne beim Kämpfen zusieht. Die Kostüme sind originell und genauso cool wie das gesamte Design des Films. Ja, diese Welt ist wirklich toll und ich kann es kaum erwarten, mehr von ihr zu sehen.

Die Handlung um einen Haufen Ganoven, der sich im Weltraumknast trifft und mal ebenso die Welt retten muss, ist durchzogen von lustigen Gags und aufregender Action und es macht wirklich Spaß, mitzufliegen.

Am Ende siegt die Gemeinschaft. Wenn sich das Team im Wirbelsturm der kosmischen Energie die Hände reicht, dann wird einem schon warm ums Herz. Dann kommt endlich doch die Freundschaft durch, die man diesen Figuren so sehr wünscht. Die Hoffnung, den anderen von seinen Schmerzen zu befreien, wiegt schwerer, als der Versuch einen ganzen Planeten zu retten. Darin liegt der schöne Kern des Films, den dieser doch manchmal zu verlieren scheint.

Denn es gibt auch ein paar Punkte, die die Begeisterung trüben. Der wichtigste von allen ist wohl die Tatsache, dass es sich eben nicht einfach um einen Sci-Fi-Film handelt, sondern eine Marvel-Comic-Verfilmung. Da wird uns völlig grundlos der Oberbösewicht Thanos (Josh Brolin) vorgesetzt, der den eigentlichen Schurken Ronan (Lee Pace) noch blasser aussehen lässt, als das ohnehin schon der Fall ist. Es hilft dabei nicht, dass dieser die schlechteste Animation des Films abbekommt. Dann wird einem auch eine Quasi-Erde gezeigt, die es zu retten gilt, ohne dass diese uns wirklich näher gebracht wird. Im Gegensatz dazu schafft es Star Wars, den nie gezeigten(!) Planeten Alderan greifbarer zu machen, weil sich gleich zwei Hauptfiguren mit ihm verbunden fühlen (Leia + Obi Wan). Dann gibt es noch den Collector (Benicio Del Toro), einen überkostümierten „Exposition-Lieferanten“, dessen Ambivalenz wohl überraschend sein soll, der aber trotzdem absolut farblos bleibt. Es scheint fast so, als hätte man sich nicht getraut, neben unseren Helden auch nur eine interessante Figur zu zeigen. Selbst Quills Ziehvater Yondu (Michael Rooker), dem durchaus genug Leinwandzeit eingeräumt wird, verblasst.

Abgesehen von dem Marvel-Korsett, welches den Film unbedingt größer machen will, als er es nötig hätte und ihn damit paradoxerweise einengt, gibt es aber auch Grundsätzliches anzumerken. Die Effekte funktionieren nicht immer, aber wenn man die Chance hat, den Film in 3D zu sehen, sollte man das unbedingt tun. Die Musik – ja es gibt neben Songs auch einen komponierten Soundtrack – zeichnet sich durch keinerlei Originalität aus und kann den Witz und die Leichtigkeit des Abenteuers kaum unterstützen. Und so sehr Groot (Vin Diesel) auch als cooler Charakter heraussticht, muss man diesem Baum-Geschöpf doch unterstellen, ein Riesenarschloch zu sein, denn es hat ja immer neue Tricks auf Lager, die aber erst in brenzligen Situationen angewendet werden. So ist er eine wandelnde Deus-Ex-Machina, die am Ende sogar wieder von den Toten auferstehen kann!

Und schließlich kommen wir zum Plot: Der ist so simpel und unoriginell, dass man sich die Meetings im Studio problemlos ausmalen kann: Wir wollen Indiana Jones am Anfang (Wieso ist es eigentlich so leicht, diese Kugel zu klauen, die doch so ein wertvolles Artefakt sein soll?). Wir wollen ‘ne Love-Story, die aber noch 3 Filme später frisch ist. Wir wollen einen Bösen, der die Welt bedroht, weil er… äh, böse ist. Wir brauchen ein bombastisches Finale, bei dem die ganze Welt untergehen könnte. Zwischendurch müssen wir natürlich zeigen, dass unsere Helden miteinander gar nicht so gut auskommen, damit ihre Zusammenarbeit am Schluss noch größer erscheinen darf. Peters Geschichte – der Tod der Mutter, der mysteriöse Vater, die alten Musikkassetten – ist trotzdem schön erzählt, scheint aber im Trubel des Abenteuers unterzugehen. Und für einen Film, der sich vom Look und seinen Charakteren eigentlich vom Mainstream entfernen will, bleibt die Handlung erschreckend konventionell. Das kann auch Howard The Duck nicht vertuschen.