Das Erstaunliche Lebens des Walter Mitty (2014) – Kritik

January 20, 2014 at 8:25 pm

mitty_schlank

The Secret Life of Walter Mitty, Regie: Ben Stiller, 114 min, USA 2014

6Sterne

Kurz:
Walter Mitty (Ben Stiller) ist langjähriger Angestellter im Fotoarchiv des TIME-Magazines und Tagträumer. Als die Einstellung der Zeitschrift bevorsteht, macht er sich auf den Weg, das letzte Negativ eines Starfotografen (Sean Penn) zu finden und lernt dabei nicht nur die Welt sondern seinen eigenen Mut kennen.
Stiller führte auch Regie bei diesem ambitionierten Werk, das zwar gute Unterhaltung bietet, letztlich aber vorhersehbar und wenig originell daherkommt.

Lang (SPOILER):
Walter Mitty versauert ein wenig im TIME-Magazin-Fotoarchiv. Und so stört ihn die bevorstehende Schließung der Zeitschrift weniger, als die Tatsache, ein wichtiges Negativ verloren zu haben, dass Starfotograf Sean O’Connell ihm schickte. Da das Foto auf den Titel der letzten Ausgabe kommen soll, versucht Walter, Sean zu finden und reist dafür nach Grönland, Island und schließlich sogar Afghanistan. Es passiert noch mehr im Film; so wird er vom Abwickler der Schließung (Adam Scott) drangsaliert, versucht per Internetdating seiner Kollegin (Kristen Wiig) näher zu kommen und kümmert sich um seine alte Mutter (Shirley MacLaine). Aber irgendwie ist der Inhalt des Films egal.

Es ist nicht so, als wäre Das ungewöhnliche Leben… ein schlechter Film. Er ist sogar ein ganz guter Unterhaltungsfilm. Die Zeit vergeht wie im Flug, es gibt lustige Traumsequenzen, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine kleine Love-Story. Trotzdem will der Funken nicht so recht überspringen.

Ein Problem des Films ist: Ben Stiller, der Schauspieler. Er ist leider völlig fehlbesetzt. Seine Figur des Walter ist eine Mischung aus grauer Maus und Psycho, seine Transformation zum Weltenbummler nie ganz überzeugend. Die Tagträumereien sind mal zu groß, mal zu klein, mal völlig absurd (die Benjamin-Button-Szene!). Er wird offensichtlich genug respektiert, dass er der Liebling eines Starfotografen ist, hat eine liebende Mutter und Schwester, wird von seinem Schwarm Cheryl nicht zurückgewiesen und hat genug Geld angespart, um eine kleine Weltreise zu machen. Und trotzdem sollen wir glauben, sein Leben wäre schlecht? Weil er noch nie gereist ist? Oder weil der Abwickler für die Schließung des Magazins so ein Arsch zu ihm ist? Ja was denn nun?

Es hilft natürlich nicht, dass Walter in einem 08/15-Film agieren muss. Wir wissen von Anfang an, dass er aus seinem Alltag ausbrechen wird. Deshalb geht man ja in den Film. Aber, dass es so schnell passiert, dass die Hürden, die er nehmen muss, quasi keine sind. Dass eine kleine Träumerei ausreicht, ihn in einen Helikopter springen zu lassen und dass am Ende seiner Reise endlich der Mut da ist, um dem Chef mal gehörig die Meinung zu sagen. Das ist alles viel zu sehr Old-Hollywood. Vor zwanzig Jahren hätte der Film vielleicht etwas Magisches gehabt. Aber heute kommt die Geschichte rüber, wie eine durchgeplante Butterfahrt. Wer zweifelt denn, dass Walter aus dem Archiv ausbrechen und in die Welt gehen wird? Wer zweifelt, dass er das Mädchen am Ende kriegt? Wer weiß denn nicht, was auf dem letzten Negativ drauf ist? Ehrlich, die Enthüllung des Bildes war nicht etwa spannend, weil man sich fragte, was wohl drauf ist, sondern weil man sich fragte, ob Hollywood hier endlich mal einen anderen Weg gehen würde. Aber nein, natürlich stellt sich am Ende die symbolische Suche nach dem Selbst auch auf der visuellen Ebene dar.

Ja, bei so was kommt gern mal ein Feel-Good-Film raus und ich will mein Geld an der Kinokasse auch gar nicht zurück. Dafür ist der Film zu gut gemacht. Aber gut gemacht, gut gemeint und gut geworden, sind doch verschiedene Dinge.