Guardians of the Galaxy – Kritik

September 23, 2014 at 2:01 pm

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Guardians of the Galaxy, Regie: James Gunn, 121min, USA 2014
8Sterne_lang

Kurz: Eine bunte Verfilmung eines Comics, von dem nie jemand was vorher gehört hat, bringt den Spaß des Sommers noch einmal raus. Das Weltall war selten so unterhaltsam und abgedreht wie in diesem Abenteuer des Draufgängers „Star-Lord“ und seiner durchwachsenen Bande, die aus einer heißen Killerin, einem Muskelprotz, einem Waschbären (!) und einem Baum (!!!) besteht.

Lang (Spoiler):
Peter Quill (Chris Pratt) wird als kleiner Junge von Aliens entführt, etwa zwei Minuten nachdem seine Mutter im Krankenhaus stirbt. Zwanzig Jahre später erleben wir einen Haudegen im Stile von Indiana Jones, der sich selbst den Namen „Star-Lord“ gibt und dabei ist, eine Metallkugel aus einer Ruine zu klauen. Es beginnt ein Abenteuer, das sich durch ein rundum buntes Universum zieht.

Das Positive zuerst: Ja, dieser Film ist wirklich gelungenes Popcorn-Kino und eine der besten Comicverfilmungen überhaupt. Man sieht allen Darstellern an, dass sie ihre Rollen lieben und Spaß an deren Abenteuern haben. Der Song-Soundtrack ist durchweg unterhaltend und gibt dem Ganzen eine lockere, selbstironische Note. Die Effekte sind top, allen voran Rocket (Bradley Cooper), der computergenerierte Waschbär.

Mit genug Witz und Ironie, lustigen 80er-Jahre-Anekdoten und ohne unnötige Längen, wird man in ein Universum geworfen, dass zu Recht mit Star Wars verglichen wird. Chris Pratts Figur ist ein cooles Han-Solo-Update und Zoe Zaldanas Ghamorra eine schöne Amazone, der man gerne beim Kämpfen zusieht. Die Kostüme sind originell und genauso cool wie das gesamte Design des Films. Ja, diese Welt ist wirklich toll und ich kann es kaum erwarten, mehr von ihr zu sehen.

Die Handlung um einen Haufen Ganoven, der sich im Weltraumknast trifft und mal ebenso die Welt retten muss, ist durchzogen von lustigen Gags und aufregender Action und es macht wirklich Spaß, mitzufliegen.

Am Ende siegt die Gemeinschaft. Wenn sich das Team im Wirbelsturm der kosmischen Energie die Hände reicht, dann wird einem schon warm ums Herz. Dann kommt endlich doch die Freundschaft durch, die man diesen Figuren so sehr wünscht. Die Hoffnung, den anderen von seinen Schmerzen zu befreien, wiegt schwerer, als der Versuch einen ganzen Planeten zu retten. Darin liegt der schöne Kern des Films, den dieser doch manchmal zu verlieren scheint.

Denn es gibt auch ein paar Punkte, die die Begeisterung trüben. Der wichtigste von allen ist wohl die Tatsache, dass es sich eben nicht einfach um einen Sci-Fi-Film handelt, sondern eine Marvel-Comic-Verfilmung. Da wird uns völlig grundlos der Oberbösewicht Thanos (Josh Brolin) vorgesetzt, der den eigentlichen Schurken Ronan (Lee Pace) noch blasser aussehen lässt, als das ohnehin schon der Fall ist. Es hilft dabei nicht, dass dieser die schlechteste Animation des Films abbekommt. Dann wird einem auch eine Quasi-Erde gezeigt, die es zu retten gilt, ohne dass diese uns wirklich näher gebracht wird. Im Gegensatz dazu schafft es Star Wars, den nie gezeigten(!) Planeten Alderan greifbarer zu machen, weil sich gleich zwei Hauptfiguren mit ihm verbunden fühlen (Leia + Obi Wan). Dann gibt es noch den Collector (Benicio Del Toro), einen überkostümierten „Exposition-Lieferanten“, dessen Ambivalenz wohl überraschend sein soll, der aber trotzdem absolut farblos bleibt. Es scheint fast so, als hätte man sich nicht getraut, neben unseren Helden auch nur eine interessante Figur zu zeigen. Selbst Quills Ziehvater Yondu (Michael Rooker), dem durchaus genug Leinwandzeit eingeräumt wird, verblasst.

Abgesehen von dem Marvel-Korsett, welches den Film unbedingt größer machen will, als er es nötig hätte und ihn damit paradoxerweise einengt, gibt es aber auch Grundsätzliches anzumerken. Die Effekte funktionieren nicht immer, aber wenn man die Chance hat, den Film in 3D zu sehen, sollte man das unbedingt tun. Die Musik – ja es gibt neben Songs auch einen komponierten Soundtrack – zeichnet sich durch keinerlei Originalität aus und kann den Witz und die Leichtigkeit des Abenteuers kaum unterstützen. Und so sehr Groot (Vin Diesel) auch als cooler Charakter heraussticht, muss man diesem Baum-Geschöpf doch unterstellen, ein Riesenarschloch zu sein, denn es hat ja immer neue Tricks auf Lager, die aber erst in brenzligen Situationen angewendet werden. So ist er eine wandelnde Deus-Ex-Machina, die am Ende sogar wieder von den Toten auferstehen kann!

Und schließlich kommen wir zum Plot: Der ist so simpel und unoriginell, dass man sich die Meetings im Studio problemlos ausmalen kann: Wir wollen Indiana Jones am Anfang (Wieso ist es eigentlich so leicht, diese Kugel zu klauen, die doch so ein wertvolles Artefakt sein soll?). Wir wollen ‘ne Love-Story, die aber noch 3 Filme später frisch ist. Wir wollen einen Bösen, der die Welt bedroht, weil er… äh, böse ist. Wir brauchen ein bombastisches Finale, bei dem die ganze Welt untergehen könnte. Zwischendurch müssen wir natürlich zeigen, dass unsere Helden miteinander gar nicht so gut auskommen, damit ihre Zusammenarbeit am Schluss noch größer erscheinen darf. Peters Geschichte – der Tod der Mutter, der mysteriöse Vater, die alten Musikkassetten – ist trotzdem schön erzählt, scheint aber im Trubel des Abenteuers unterzugehen. Und für einen Film, der sich vom Look und seinen Charakteren eigentlich vom Mainstream entfernen will, bleibt die Handlung erschreckend konventionell. Das kann auch Howard The Duck nicht vertuschen.

Planet der Affen: Revolution – Kritik

August 21, 2014 at 12:10 am

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Dawn of The Planet of The Apes, Regie: Matt Reeves, 130min, USA20147Sterne_lang

Kurz: Gelungene Fortsetzung des Planet-der-Affen-Reboots. 10 Jahre nach dem Ausbruch der Affengrippe steht die Menschheit vor dem Aus und muss sich mit den Primaten verbünden, um zu überleben. Das ist mal spannend, mal emotional und leider auch manchmal langatmig. Trotzdem immer unterhaltend und niemals dumm. Endlich gibt es auch überzeugende visuelle Effekte und Gary Oldman in einer Nebenrolle kann sowieso nie schaden.

Lang (Spoiler): Der beste Film dieser Reihe bleibt immer das Original von 1968, denn er erzählte eine wirklich bizarre Geschichte in tollen Bildern, untermalt von experimenteller, mitreißender Musik. Das Ende ist bis heute ikonisch. Alles was danach kam, seien es die Fortsetzungen in den Siebzigern, die TV-Serie, Tim Burtons 2001-Reboot oder das 2011-Reboot mit James Franco, scheiterte am Anspruch des Originals. Nichts desto trotz machten fast alle diese Nachfolger Spaß. Und so ist es auch mit dem neusten Eintrag in die Serie.

War der 2011-Beitrag schon recht realistisch angelegt, bleibt Dawn… dieser Idee treu. Zumindest wenn man sich mit dem Gedanken anfreundet, dass eine Wunderdroge innerhalb von 10 Jahren aus simplen Primaten, quasi menschenähnliche Eingeborenenstämme macht. Affen, die sich per Handzeichen unterhalten und ab der Hälfte des Films auch ganz schön oft per Stimme erzählen (wir lassen mal außen vor, dass das anatomisch nicht möglich ist). Dann folgt man diesem Stamm sehr gerne in die Redwoods, in denen die einzige Stromversorgung für das zerstörte San Francisco liegt: Ein Damm. Und so kommen auch ein paar Menschen ins Spiel.

Eine kleine Gruppe, angeführt von Malcom (Jason Clarke) und Ellie (Keri Russel) macht sich auf, den Damm zu reparieren und gleichzeitig Frieden mit den wilden Affen zu bewahren. Das geht so lange gut, bis beide Seiten, Mensch und Primat, ihre schwarzen Schafe finden und somit den brüchigen Waffenstillstand kaum halten können.

Und da geht dann das an sich gute Drehbuch in eine Richtung, die man positiv noch „konventionell“ bezeichnen würde, negativ jedoch als „hanebüchen“ betiteln darf. Die Affen sind nämlich jetzt in der Lage, mit Waffen gegen die Menschen vorzugehen, gestützt durch den dummen „Zufall“, dass in San Francisco ein ganzes Arsenal der Armee offen steht. So kommt es schließlich zum Kampf zwischen beiden Spezies, der uns einen reitenden Bonobo mit zwei Maschinengewehren in der Hand präsentiert! Ich wage mal zu behaupten, dass es anatomisch fast unmöglich ist, als Affe ein Pferd im Galopp zu steuern. Außerdem hat wohl niemand in diesem Film was von begrenzter Patronenzahl gehört, sonst würden die Affen ihre Gewehre schon nach 20 Sekunden in den Dreck werfen (denn egal wie clever sie sind, Nachladen ist mit ihren Händen so gut wie unmöglich). Außerdem sind Bonobos noch die friedlichsten Menschenaffen, aber das mag durch die Wunderdroge ausgehebelt worden sein.

Trotzdem ist der Film keine lächerliche Zeitverschwendung und das liegt an ein paar einfachen Punkten.

Der Star dieses Films ist ganz sicher kein Mensch. Schon gar nicht Gary Oldman, der hier nur eine kleine Nebenrolle einnimmt und damit Teil der Marketing-Lüge wird, die der Trailer verbreitete. Sein gebrochener Dreyfus ist ein wichtiger Charakter und bleibt doch blass und im Hintergrund. Es war schon clever ihn durch einen A-Klasse-Schauspieler zu besetzen. Auch Clarkes Malcom kann kaum mitreißen, obwohl sein zurückhaltendes Spiel auch gleichzeitig die Stärke der Figur ist.

Nein, dieser Film wird vor allem von zwei Schauspielern getragen, die man nie zu Gesicht bekommt: Andy Serkis als Cesar und Toby Kebbell als Koba. Die zwei Affen liefern sich gleich mehrere Duelle, die Shakespeare-hafte Züge haben. Verrat, Wiederauferstehung, Rache. Alles ist da. In Cesar und Koba finden wir echte Emotionen, oft heruntergebrochen auf Gesten und Blicke.

Glücklicherweise schafft es das Team von Weta-Digital dann auch, den beiden – wie auch allen anderen Affen – genug Glaubwürdigkeit zu verleihen. Somit ist dies das erste Mal seit Davy Jones’ Auftritt im zweiten Pirates of the Caribbean, dass es wirklich gelungene CGI-Charaktere gibt. So zumindest mein Eindruck im Kino – auf kleinem Bildschirm wirken die meisten visuellen Effekte leider nicht mehr so gut. Man muss die Blu-Ray abwarten um einen definitives Urteil abgeben zu können. Ich würde hier auch nicht das Wort „Animationsfilm“ ansetzen, da man dem Anspruch, die Effekte der Handlung unterzuordnen, tatsächlich gerecht wird.

Matt Reeves souveräne Regie rundet den Film ab, verpasst aber auch, etwas wirklich Besonderes zu zeigen. Weder visuell, noch handlungstechnisch bleibt Dawn… im Gedächtnis. Zumindest hatte der letzte Film eine tolle Szene, nämlich das erste Wort, welches Cesar spricht („NO!“). So etwas fehlt leider.

Unbedingt erwähnt werden muss auch Michael Giacchinos Soundtrack. Niemand kann das Original von Jerry Goldsmith toppen, Giacchino versucht aber zumindest heranzukommen. Es scheint fast so, als wolle er den klassischen Orchesterklang gegen ganz Hollywood retten. Goldsmith’ Einfluss ist vor allem in der Instrumentenwahl herauszuhören. Leider fehlt der letzte Schritt zum Experimentellen und Atonalen. Trotzdem bleibt sein melodischer, mitreißender Score immer noch ein Highlight.

Edge of Tomorrow – Kritik

August 10, 2014 at 7:06 pm

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Edge of Tomorrow, Regie: Doug Liman, 113min, USA 2014

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Kurz:
Und täglich grüßt das… trifft Starship Troopers. Actionreicher, sehr unterhaltsamer und überraschend lustiger Sci-Fi-Film. Tom Cruise stirbt im Kampf gegen Tentakel-Aliens und wacht „wiedergeboren“ am Tag ihrer Invasion auf. Und stirbt wieder. Und wacht wieder auf. Und stirbt wieder… Emily Blunt trainiert ihn vom Normalo zum Supersoldaten.

 
Lang (Spoiler):
Tom Cruise liefert nach Oblivion schon wieder tolle Sci-Fi-Unterhaltung, die nicht zu tief geht und deshalb bis zum Schluss Spaß macht. Regisseur Doug Liman weiß, welchen Film er da abliefert und nutzt Cruise so gut es geht. Anfangs ist seine Figur Major Cage noch der Poster-Boy des menschlichen Widerstands gegen de Alien-Invasion. Ein Schauspieler, der seine Rolle des amerikanischen Kriegsverkäufers sichtlich genießt, weil er sich dem „normalen“ Militärbetrieb entziehen kann. Ein feiger Aufschneider, der – durch einen Briten enttarnt und als Deserteur zur Infanterie runtergestuft – völlig fehl am Platz zur Front zieht. Und stirbt!

Sein Wiedererwachen wurde schon im Trailer tausendmal gezeigt und ist weniger überraschend als die Tatsache, dass die erste Stunde des Films mit der Situation („Live. Die. Repeat.“) spielend umgeht und ganz nebenbei auch noch ein paar nette Nebenfiguren zeigt. Bill Paxton setzt als Drill-Sergeant sein Mini-Comeback der letzten 2 Jahre fort. Sein Soldatenteam versucht dabei sogar an die guten Aliens-Zeiten anzuknüpfen. Ja, diese Figuren bleiben auch nur an der Oberfläche. Aber jede ist wohl besser ausformuliert als alle Transformers-Militärs es jemals waren.

Der schwächste Teil des Films sind sicherlich die Aliens. Das Design ist an Matrix-Sentinels angelegt, ihre Verbindung zueinander erinnert an die Borg und Independence Day (und da hören die Ähnlichkeiten noch lange nicht auf). Ihre „Technik“, also die Möglichkeit, Zeitsprünge zu machen, wird kaum erklärt, da man weiß, dass jede Erklärung zum Scheitern verurteilt ist. Das war beim Murmeltier tatsächlich viel besser. Man könnte die Aliens auch „Plot-Device“ nennen. Letztlich funktioniert die Handlung innerhalb dieser Stussparameter aber immer noch gut genug, weil Liman es schafft, den Fokus auf seine beiden Hauptfiguren zu legen.

Der Film schafft es sogar, aus der dünnen Emily Blunt, die kampferprobte Rita zu machen, eine tatsächlich glaubwürdige Kriegerin. Gleichzeitig lässt er Spiel für eine zaghafte Love-Story.

Die Special Effects sind top, es wird geballert was das Zeug hält. Stunts ebenso. Die Visual Effects fließen nahtlos in die Handlung. Wer dachte, die Mecha-Suits könnten mit den eleganten Elysium-Versionen nicht mithalten, wird eines besseren belehrt. Es ist erfrischend zu sehen, dass die Anzüge quasi Standardgrößen sind, welche Cruise & Co zu Beginn des Films mehr behindern als helfen. Natürlich passt ihm seine Rüstung besser, je länger der Film geht und je versierter er mit dem Militärequipment umgehen kann. Da hat sich jemand endlich mal Gedanken gemacht!

Soweit alles toll. Natürlich stinkt das Ende ein bisschen ab, weil man doch quasi auf Hollywood nicht verzichten wollte. Aber es passt zur Gesamthandlung und zu dem Thema „obskure Sci-Fi“ irgendwie dazu, dass Cage nicht nur überlebt, sondern auch eine Chance auf Happy End mit Rita hat.

The Monty Python Live (Mostly): One Down, Five To Go – Live am 20. Juli 2014

July 21, 2014 at 11:28 pm

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Ich war gestern im Kino. Aber einen Film gab’s nicht. Stattdessen nahm ich an einem Experiment teil, das sich ‚“Event“ nannte und 22,-Euro kostete. Das ist doppelt so viel wie ein Kinofilm. War es das wert? Irgendwie schon.

Da John Cleese eine Scheidung bezahlen muss, Terry Gilliam seit Twelve Monkeys auf seinen nächsten Filmerfolg wartet, Michael Palin ja nicht das ganze Jahr über reisen kann, Terry Jones noch immer auf seine nächste Regiearbeit hofft und Eric Idle zu viel Spaß an Bühnenshows hat, dachten sich die überlebenden Mitglieder von Monty Python nun doch – nach 30 Jahren zum ersten Mal wieder – eine Liveshow zu veranstalten.

Über die Qualität lässt sich streiten. Ich fand es toll, die alten Sketche zu sehen (natürlich den Dead Parrot und The Spanish Inquisition) und auch ihre Songs zu hören (ich habe mal meine eigene Version vom Lumberjack gefilmt und hege daher eine persönliche Liebe zu dem Stück). Ein paar neue Sachen waren auch dabei. Die meisten Lacher gab es aber immer, wenn die „alten Säcke“ etwas vom Buch abwichen und improvisierten (bzw. sich gegenseitig zum Lachen brachten). Ich denke, dass die Truppe so auch neue Fans gewinnen konnte. Es war aber nicht alles so lustig wie es sein sollte. Und Erics Liebe zum Musical mag bei Spamelot am Broadway besser aufgehoben sein, als in der O2-Arena in London. Obwohl die Tanzeinlagen schon sehr beeindruckend waren. Nur eben nicht so lustig.

Gilliam schien von allem am meisten Spaß zu haben, war sowieso schon immer der Clown, der sein Gesicht zur Fratze verzog und kaum Text hatte. Idle sang mit voller Inbrunst. Jones hatte Mühe, vom Spickzettel abzulesen, was Cleese dazu brachte, ihm den aus der Hand zu reißen und selbst zu zitieren. Das war eine der lebendigsten Einlagen des großen Meisters, der doch etwas abwesend wirkte und es sich nicht nehmen ließ, einen Kritiker der Live-Show beim Namen zu nennen und ihn als Arschloch zu titulieren. Palin sah das Ganze wohl wie eine nette Wiedervereinigung von Freunden, bei der man auch etwas Faxen machen durfte. Und Graham Chapman wurde durch Videoeinspielungen auf riesiger Leinwand quasi wieder zum Leben erweckt.

Alles in allem hatte man aber trotzdem das Gefühl, dabei zu sein und eine echte Liveshow zu sehen. Ausgestrahlt wurde sie auf der ganzen Welt, parallel zum echten Event in London. Das deutsche Publikum war mir zwar etwas zu unbeteiligt, aber ganz zum Schluss, beim obligatorischen Always look on the bright side of life, pfiffen dann doch ein paar Leute mit. Wenn ich im Internet Beiträge zu der letzten Show – jemals? -lese, habe ich auch das Gefühl, da gewesen zu sein. Wenn ich darüber rede und schreibe, ist es fast so, als berichte ich aus der Arena und nicht aus dem Berliner Cinemaxx.

Vielleicht sollte ich mal eine dieser Konzertübertragungen im Kino testen. Es scheint doch etwas anderes zu sein, als sich eine DVD einzulegen…

Die Doofen Drei

June 22, 2014 at 10:25 pm

Drei Filme, die zum Teil noch im Kino laufen – das aber eigentlich nicht verdient haben!

 

Transcendence (Regie: Wally Pfister)

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Johnny Depp scheint seit ein paar Jahren keine Lust mehr zu haben und kein Film zeigt das so gut wie „Transcendence“. Hier muss er nur ein paar Minuten lang vor der Kamera stehen, sterben und als eine Computersimulation wiederauferstehen.
Was in der Theorie nach einem coolen Sci-Fi-Film klingt, wird durch ein lahmes (und löcheriges) Script und Wally Pfisters schön-aussehende, aber uninspirierte Regie zu einem lächerlichen Schnarchfest. Rebecca Hall und Morgan Freeman können da auch nix retten.

Bessere Filme dieser Art:
Colossus: The Forbin Project (1970)
Phase IV (1974)
Westworld (1973)

 

A Million Ways to Die in The West (Regie: Seth MacFarlane)

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Schon der Vorspann dieser Komödie ist nur eine langweilige Aneinanderreihung von tausendmal gesehenen Landschaftsaufnahmen, ohne erzählerische Funktion und leitet damit eine innovationsfreie Handlung ein, die nie Gefahr läuft, dem Zuschauer irgendwelche Überraschungen vorsetzen zu müssen. Regisseur McFarlane spielt die Hauptrolle des Wild-West-Losers gleich selbst und begeht damit einen von vielen Fehlern, die den Film zu einem unausgereiften Mischmasch verkommen lassen. Comedy und Western zu mixen ist ja keine schlechte Idee, aber fast alle Gags gab’s schon im Trailer und wenn eine Szene nicht lustig geschrieben ist, kann man da auch nicht mit Fäkalhumor drüber weg täuschen.

Bessere Filme dieser Art:
Back to The Future 3 (1989)
City Slickers (1991)
Rango (2011)

 

Sabotage (Regie: David Ayer)

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Arnold schafft einfach kein richtiges Comeback. Obwohl ihm hier ein paar gute Schauspieler zur Seite stehen (Sam Worthington, Terrence Howard, Olivia Williams!), täuscht das nicht über eine verworrene, unausgegorene Handlung hinweg. Die Idee, aus Drogenkämpfern fehlbare Helden zu machen, ist ehrenwert, wird durch ein Zehn-Kleine-Negerlein-Prinzip aber nicht besonders spannend inszeniert. Zumal die finale Auflösung irgendwie unbefriedigender wirkt, als die fragwürdige Entscheidung, den Film so schlecht zu filmen, dass er auf TV-Niveau sinkt.

Bessere Filme dieser Art:
Aliens (1986)
Predator (1987)
End of Watch (2012) – Vom selben Regisseur!

Bad Neighbours – Kritik

May 16, 2014 at 3:12 pm

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Neighbors, Regie: Nicholas Stoller, 96 min, USA 2014

7Sterne_lang

Kurz:
Ein junges Ehepaar richtet sich im Eigenheim auf’s Familienleben mit Baby und langweiligem Job ein. Bis eine Studenten-Bruderschaft ins Nachbarhaus einzieht und die triste Idylle zu zerstören droht. Ein Heidenspaß. Eine typische Seth-Rogen-Komödie, die neben Schwanzwitzen auch ein Herz hat. Und McLovin ist auch dabei! Wer will so etwas nicht sehen?

Lang (Spoiler):
Mac (Seth Rogen) und Kelly (Rose Byrne) könnten so glücklich sein. Sie leben in einem kleinen Traumhaus zusammen mit ihrem Baby Stella. Doch das junge Glück wird jäh zerstört als eine Bruderschaft ins Nebenhaus zieht und von nun an jede Nacht Party macht. Das lässt nicht nur die kleine Stella wach bleiben, sondern wirft auch die Frage auf, ob das junge Paar „zu alt“ und spießig geworden ist. Zac Efron und Dave Franco spielen die Party-Studenten oberflächlich genug, dass Szenen mit Tiefgang plötzlich voller Wahrheit stecken und berühren können. Das sind aber nur Bonuspunkte, denn im Kern ist Neighbors (der in Europa umbenannt wurde, damit keine Verwechslung zur australischen TV-Serie entsteht) eine lustige Komödie mit schmutzigen Witzen und überzogenen Charakteren.

Der Trailer zeigte leider schon sehr viele Gags (Airbags, Gummiball, eigentlich fast die gesamte physische Comedy), da hilft es, dass der Film von seinen Dialogen lebt. Die sind – typisch für Seth-Rogen-Filme – stark improvisiert. So bleibt der Film locker und macht durchweg Spaß. Da fällt es kaum auf, dass die Handlung sehr dünn ist und es keine echten Überraschungen gibt. Letztlich gehen alle Pläne auf, die Mac und Kelly machen und führen zum ‚Happy End’, bei dem die Bruderschaft aus dem Haus geschmissen wird. Man kann Nicholas Stollers Regie zu Gute halten, dass man trotzdem mit den Jungs mitfühlt. Die Balance zwischen Kleinfamilie und Studentenleben wird immer gehalten. Es gibt nicht die ‚bösen Buben’ und die ‚guten Eltern’. Außerdem bleibt sogar etwas Zeit, sich die Frage zu stellen, ob mit dem ersten Kind, mit Heirat und Verzicht auf Parties nicht nur die Jugend, sondern auch der Spaß am Leben verloren gehen. In diesem Sinne schafft es der Film, trotz absurder Komik und übertriebener Klischees, ein reales Bild des menschlichen Alltags zu zeigen. Neben Schwanzwitzen. Vielen, vielen Schwanzwitzen.

Robocop (2014) – Kritik

March 10, 2014 at 11:08 pm

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Robocop, Regie: José Padilha, 117 min, 2014

5Sterne

 

 

Kurz:

Ein verstümmelter Cop wird in einen Roboteranzug gesteckt um fortan gegen das Verbrechen zu kämpfen, bis er entdeckt, dass er Teil des korrupten Systems ist. Ein unterhaltsamer, wenn auch irgendwie überflüssiger Sci-Fi-Film, der wie zu erwarten nicht an das Original rankommt. Ein Film, der fast zu intelligent fürs heutige Actionkino scheint – nur um im 3. Akt zu beweisen, dass er doch total enttäuschen kann.

Lang (SPOILER):
In naher Zukunft will die Technikfirma OCP ihre Militärroboter aus den Krisengebieten der Welt endlich nach Amerika holen. Die Polizei braucht dringend Unterstützung beim Kampf gegen das Verbrechen an der „Homefront“. Doch wie soll man das Gesetz umgehen, welches den Einsatz von Robotern als Verbrechenskämpfer verbietet? Mit Lobbyarbeit und einem Trick: einfach einen Menschen in die Maschine stecken und schon kann man mit Militärtechnik auch zuhause Kohle verdienen. Da trifft es sich gut, dass Polizist Alex Murphy gerade von einer Autobombe verstümmelt wurde. Seine Frau gibt die Einwilligung, aus  dem Rest seines Körpers eine Mensch-Roboter-Kombi zu machen und damit beginnt der Film dann auch seine eigentlichen Mission. Nach einer gefühlten ganzen Stunde! Man nimmt sich Zeit mit der Herstellung des Supercops. Das gibt dem Film Tiefe. Seiner Hauptfigur, dessen Familie, dem Wissenschaftler, der aus einem Krüppel den Übermenschen schafft. Selbst die Motivation von OCP wird durch und durch beleuchtet (es geht um Profit).

Nachdem Murphy die Hersteller der Autobombe, welche ihn töten sollte, zur Strecke gebracht hat, ist man auch schon im dritten Akt des Films und stellt fest, dass die Filmemacher alles vergessen haben, was denn in diesen Teil des Dramas reingehört:
Ein Bösewicht? Vergessen (und schnell mal gezaubert)!
Ein ebenbürtiger Gegner für die Supermaschine? Vergessen! (naja, gibt’s irgendwie schon, aber völlig unspektakulär)
Ein spannendes Ende? Vergessen! (wie soll’s das auch geben, wenn Bösewicht und ernsthafter Konflikt fehlen?)

Ich habe mir dieses Remake von Paul Verhoevens Meisterwerk Robocop (1988) gern angesehen und bin trotzdem total enttäuscht worden. Titelfigur Alex Murphy wird dieses Mal von Joel Kinnaman gespielt, dem ein paar sehr gute Schauspieler zur Seite stehen. Gary Oldman spielt den Wissenschaftler, der Robocop baut und die moralische Balance des Films ist (inklusive Gewissenskonflikt und Wiedergutmachung). Michael Keaton spielt den Firmenchef von OCP für die meiste Zeit des Films als sympathischen Boss der Neuzeit – bis er am Ende zu einem Killer werden soll. Völlig fehl am Platz. Jay Baruchel spielt den Comic Relief. Michael K. Williams (aka The Wires Omar Little) ist Murphys verlässlicher Partner. Selbst Jackie Earle Haley (aka Watchmens Rorschach) ist als olles Militär-Arschloch dabei. So gut, so richtig. Und sie allen nehmen teil an der Verwandlung vom Menschen zur Maschine und zurück zum Menschen. Alles super. Bringt nur nichts, wenn der Film zum Ende hin auseinander fällt.

Und nun zum unweigerlichen Vergleich mit dem Original: Alles vergessen, was Verhoevens Film so gut gemacht hat. Zum einen die Gewalt, die 1988 nicht nur eine Parodie auf Hollywoods Actionkracher der 80er war, sondern auch die grauenvollen Zustände vom Detroit der Zukunft beschreiben durfte. Diesem neuen PG-13 Film fehlt das ganze Blut (und der beißende Sarkasmus) notgedrungen, weil man durch weniger Gewaltdarstellung ein breiteres Publikum erreichen möchte (es sich aber nicht nehmen lässt, minutenlang auf ein ekeliges, freiliegendes Gehirn zu filmen). Dadurch gerät aber die Dringlichkeit einen Robocop in US-Städte zu bringen, total in den Hintergrund. Man sieht das Elend kaum (tatsächlich ist das heutige Detroit näher an Verhoevens Vision, als das im Film gezeigte!). Auch die Reaktionen auf Gewalt sind unterschiedlich. Während es im Original vor Ignoranz und Witz so sprudelte, erweckt das Fehlen der Bluttaten weder Emotionen bei den Charakteren, noch beim Publikum. Die Medienkritik konnte vor 25 Jahren die 24-Stunden-News-Networks noch nicht voraussagen, kam aber der Sache schon nahe. Dagegen wirkt Samuel L. Jacksons TV-Kommentator wie eine lahme Bill-O’Reilly-Version und ist leider gar nicht lustig. Seine Gimmicks (Aufpoppen von Videos, Hologramme im Studio) gibt zwar die derzeitige „Strategie“ von CNN wider, aber wo sind denn die ganzen Grafiken drum rum? Will man uns weiß machen, dass diese in Zukunft wieder abgeschafft werden? Eher unglaubwürdig. Sowieso ist der Sci-Fi-Anteil im Film reduziert auf alles, was mit Robotern zu tun hat. Die Stadt, die Häuser, die Kleidung, die Musik, selbst die Waffen sehen aus, wie von heute. Da wirken die OCP-Maschinen sehr befremdlich. Sowieso muss man sich fragen, wer denn die tolle Idee hatte, aus dem Hauptgegner des Originals „ED-209“ eine lahme Kopie zu machen, deren Existenz durch menschenartige Roboter zusätzlich in Frage gestellt wird. Mal abgesehen davon, dass weder dem neuen Ed-209, noch seinem humanoiden Counterpart, irgendeine Art von Persönlichkeit zugestanden werden, wird nicht erklärt, warum es denn diese zwei so völlig unterschiedlichen Modelle gibt. Die Mensch-Maschine soll natürlich zeigen, dass es für OCP kein Problem ist, einen Kopf auf einen Roboteranzug zu stecken, wie es später bei Murphy passiert. Das ist aber ein billiger Drehbuchkniff, der nie richtig ausgespielt wird. Zumal die tollen Zweibeiner vom Robocop  schon in der ersten Übung zu Zielscheiben degradiert werden, die es nur umzuballern gilt. Bleiben die Charaktere: Murphy und Familie werden gut beleuchtet. Allerdings wird hier weniger den Kampf von der Leiche zurück zum Menschen gezeigt, sondern… ja, was eigentlich? Abgesehen von der ersten Zurückhaltung Murphys überhaupt leben zu wollen, ist seine Persönlichkeit, sobald er den Anzug an hat, voll ausgeprägt. Sie wird vielleicht durch ein paar Drogen beeinflusst, es gilt sogar, sie durch die Programmierung hindurchzuschleusen (äh, wie bitte?), aber mit einem Reifeprozess, oder einer echten Entwicklung hat das wenig zu tun. Die Nebenfiguren bieten da mehr Spaß. Oldmans Wissenschaftler menschelt und zweifelt wo es nur geht und Keatons CEO darf genauso sein, wie man sich den Geschäftsführer von heute wünscht (oder fürchtet). Die Wandlung des Letzteren zum skrupellosen Killer kann aber nicht einmal jemand wie Keaton glaubwürdig darstellen, was letztlich am Script liegen muss, denn dieser Mann hat eindeutig das Zeug zum Psychopaten. Von Murphys „Killer“ oder seinen korrupten Kollegen muss man nicht schreiben, da sie so facettenlos sind, dass man ihnen gleich Namen wie „Plot Device“ hätte geben können. Vorbei die Zeit, in der es bei OCP Machtkämpfe im Vorstand gab und niemand so recht wusste, wer denn das größere Arschloch ist. Vorbei die Zeit, in der Clarence Boddicker als echter Killer mit Horror-Gang auftreten konnte („Bitches leave!“). Vorbei die Zeit, in der man um Murphys Partner bangen durfte und die Freundschaft der beiden Cops mehr als nur Plattitüde war.

Nein, auch wenn der neue Film sich bei ein paar Zitaten des Originals bedient, im Vergleich schneidet er unterdurchschnittlich ab.

Das Erstaunliche Lebens des Walter Mitty (2014) – Kritik

January 20, 2014 at 8:25 pm

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The Secret Life of Walter Mitty, Regie: Ben Stiller, 114 min, USA 2014

6Sterne

Kurz:
Walter Mitty (Ben Stiller) ist langjähriger Angestellter im Fotoarchiv des TIME-Magazines und Tagträumer. Als die Einstellung der Zeitschrift bevorsteht, macht er sich auf den Weg, das letzte Negativ eines Starfotografen (Sean Penn) zu finden und lernt dabei nicht nur die Welt sondern seinen eigenen Mut kennen.
Stiller führte auch Regie bei diesem ambitionierten Werk, das zwar gute Unterhaltung bietet, letztlich aber vorhersehbar und wenig originell daherkommt.

Lang (SPOILER):
Walter Mitty versauert ein wenig im TIME-Magazin-Fotoarchiv. Und so stört ihn die bevorstehende Schließung der Zeitschrift weniger, als die Tatsache, ein wichtiges Negativ verloren zu haben, dass Starfotograf Sean O’Connell ihm schickte. Da das Foto auf den Titel der letzten Ausgabe kommen soll, versucht Walter, Sean zu finden und reist dafür nach Grönland, Island und schließlich sogar Afghanistan. Es passiert noch mehr im Film; so wird er vom Abwickler der Schließung (Adam Scott) drangsaliert, versucht per Internetdating seiner Kollegin (Kristen Wiig) näher zu kommen und kümmert sich um seine alte Mutter (Shirley MacLaine). Aber irgendwie ist der Inhalt des Films egal.

Es ist nicht so, als wäre Das ungewöhnliche Leben… ein schlechter Film. Er ist sogar ein ganz guter Unterhaltungsfilm. Die Zeit vergeht wie im Flug, es gibt lustige Traumsequenzen, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine kleine Love-Story. Trotzdem will der Funken nicht so recht überspringen.

Ein Problem des Films ist: Ben Stiller, der Schauspieler. Er ist leider völlig fehlbesetzt. Seine Figur des Walter ist eine Mischung aus grauer Maus und Psycho, seine Transformation zum Weltenbummler nie ganz überzeugend. Die Tagträumereien sind mal zu groß, mal zu klein, mal völlig absurd (die Benjamin-Button-Szene!). Er wird offensichtlich genug respektiert, dass er der Liebling eines Starfotografen ist, hat eine liebende Mutter und Schwester, wird von seinem Schwarm Cheryl nicht zurückgewiesen und hat genug Geld angespart, um eine kleine Weltreise zu machen. Und trotzdem sollen wir glauben, sein Leben wäre schlecht? Weil er noch nie gereist ist? Oder weil der Abwickler für die Schließung des Magazins so ein Arsch zu ihm ist? Ja was denn nun?

Es hilft natürlich nicht, dass Walter in einem 08/15-Film agieren muss. Wir wissen von Anfang an, dass er aus seinem Alltag ausbrechen wird. Deshalb geht man ja in den Film. Aber, dass es so schnell passiert, dass die Hürden, die er nehmen muss, quasi keine sind. Dass eine kleine Träumerei ausreicht, ihn in einen Helikopter springen zu lassen und dass am Ende seiner Reise endlich der Mut da ist, um dem Chef mal gehörig die Meinung zu sagen. Das ist alles viel zu sehr Old-Hollywood. Vor zwanzig Jahren hätte der Film vielleicht etwas Magisches gehabt. Aber heute kommt die Geschichte rüber, wie eine durchgeplante Butterfahrt. Wer zweifelt denn, dass Walter aus dem Archiv ausbrechen und in die Welt gehen wird? Wer zweifelt, dass er das Mädchen am Ende kriegt? Wer weiß denn nicht, was auf dem letzten Negativ drauf ist? Ehrlich, die Enthüllung des Bildes war nicht etwa spannend, weil man sich fragte, was wohl drauf ist, sondern weil man sich fragte, ob Hollywood hier endlich mal einen anderen Weg gehen würde. Aber nein, natürlich stellt sich am Ende die symbolische Suche nach dem Selbst auch auf der visuellen Ebene dar.

Ja, bei so was kommt gern mal ein Feel-Good-Film raus und ich will mein Geld an der Kinokasse auch gar nicht zurück. Dafür ist der Film zu gut gemacht. Aber gut gemacht, gut gemeint und gut geworden, sind doch verschiedene Dinge.

Nicht mein Tag – Kritik

January 17, 2014 at 4:44 pm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Peter Thorwarth, 110 min, Deutschland 2014

6Sterne

Kurz:
Nettes Roadmovie mit einem Bankräuber, der einen Angestellten als Geisel nimmt, damit er sich sein Traumauto kaufen kann. Mit dünnem Axel Stein und fluchendem Moritz Bleibtreu. Ein paar Lacher, ein bisschen Gangster, sogar ganz gute Action, aber dafür kann man auch auf die DVD warten.
Peter Thorwarths vierter Film kommt nicht an Bang Boom Bang ran, ist aber besser als Goldene Zeiten.

Lang (SPOILER):
Der gelangweilte Bankangestellte Till (Stein) lehnt einen Autokredit für einen Ford Mustang ab, den sich ein fluchender Kunde (Bleibtreu) so gern kaufen würde. Der Möchtegernrennfahrer entpuppt sich am Tag darauf als Bankräuber „Nappo“, der Till kurzerhand zur Geisel  macht. Till wird im Kofferraum eingesperrt und muss mit seiner Gitarre für Musik im Versteck sorgen, schließlich kommt es tatsächlich zum Mustang-Kauf und Nappo lässt den Familienvater wieder gehen. Der jedoch findet Gefallen am Gangsterleben und steigt zurück in die Karre, nachdem er seine Frau bei einem (vermeintlichen) Ehebruch erwischt. Genau die richtigen Voraussetzungen, um nach Amsterdam zu fahren und ein krummes Geschäft mit ein paar Albanern zu machen.

Die Handlung ist eigentlich damit durch. Aber darum geht es ja kaum bei diesem vierten Film von Peter Thorwarth. Man will ein bisschen Pulp Fiction nach Deutschland bringen. Auch mal einen Gangster-Film machen. Kleinkriminelle den Normalos gegenüberstellen und damit ein paar Lacher provozieren. Das funktionierte bei Thorwarths Erstlingswerk Bang Boom Bang grandios, wirkt aber bei Nicht mein Tag doch recht aufgesetzt, was auch daran liegen kann, dass das Drehbuch auf einem Roman von Ralf Husmann basiert. Ein bisschen wirkt die Handlung wie Malen-nach-Zahlen. Husmann hat sich ja schon als The Office-Plagiator hervorgetan, der bis heute seine Serie Stromberg als Eigenkreation ansieht (obwohl seit der zweitel Staffel das Original im Abspann aufgeführt werden muss). Also lastet der Originalitäts-Faktor auf Thorwarths Schultern.

Tatsächlich ist aber einer der größten Schwachpunkte der Unna-Trilogie geschuldet, denn sämtliche Zitate und Seitenhiebe auf frühere Filme (eigentlich nur Bang Boom Bang) wirken völlig fehl am Platz. Sei es das Nummernschild des Mustangs (von Keek’s Karre geklaut), Ralf Richters Gastauftritt (nebst „Mann, doh!“-Zitat), eine Szene mit Christian Kahrmann als Mark Kampmann, oder das ganz Schlimme „Wieder so ein todsicheres Ding“ auf dem Plakat des Films. Denn wo die Vorgänger noch authentisch wirkten, hat man mit Nicht mein Tag einen „echten“ Film vor sich, also ein rein fiktives Gebilde, dem leider Flair und Lokalkolorit fehlen.

Die Darsteller versuchen also ihr Bestes, so „filmisch“ wie möglich zu wirken. Ganz gut kommt dabei Axel Stein weg, der es mit Vollbart und gefühlten 50 Kilo weniger schafft, den gelangweilten Angestellten ebenso rüberzubringen, wie den frustrierten, später besoffenen und noch später geläuterten Ehemann zu spielen. Auch Anna Maria Mühe als seine Ehefrau kommt ganz echt rüber. Moritz Bleibtreu kann anfangs nicht so richtig als fluchender Assi überzeugen (immer nur „ficken“ rufend) und wird erst in der zweiten Hälfte des Films glaubwürdig. Er ist halt der Gangster mit Herz. Seine Freundin, von Jasmin Gerat gespielt, kann sich stattdessen nicht so recht entscheiden, ob sie jetzt Dummchen oder Zicke sein will. Man nimmt ihr das Proletensein einfach nicht ab. Und das trifft dann auch auf sämtliche anderen Charaktere zu. Sei es die rumvögelnde Familienfreundin (in Drehbuchkreisen auch „Plot Device“ genannt, da sie nur eine Funktion hat, nämlich den Ball ins Rollen zu bringen). Sei es Ralf Richter als Autoschieber „Langer“, oder sein Sohn Maxwell Richter als dessen Balg „Kurzer“. Von der fiktiven Rockband „Donar“ ganz zu schweigen. Wo sind Leute wie „Schlucke“, „Ratte“, oder „Werner Kampmann“, wenn man sie braucht?

Der Film hat also weniger ausgefallene Charaktere, als man sich wünschen würde. Und die Witze sind so spärlich verteilt, dass man sich manchmal fragt, ob Thorwarth immer eine Komödie drehen wollte, oder eigentlich einen ernsten Film. Vor allem zum Ende hin wird es dann doch recht düster. Es gibt aber immerhin ein paar gute Sachen: das Kölner Navi ist der Hammer (schön bescheuert von Tom Gerhardt gesprochen), die Geburtstagsfeier in der Bank (mit schlechter Gesangseinlage), eine typisch deutsche AB-Ansage, ein paar Möpse (da sind wir ja weniger prüde als in US-Filmen) und Mark Kampmann im Porsche (selbst wenn’s fehl am Platz ist). Davon hätte ich mir sehr viel mehr gewünscht (und gerne auf einen Gastauftritt von Produzent Til Schweiger verzichtet).

Alles in allem ist Nicht mein Tag nicht schlecht. Vielleicht muss Thorwarth nach 8 Jahren Drehpause einfach wieder warm werden. Hoffen wir, dass der nächste Film etwas schneller kommt.