Roger Moore 1927-2017

May 24, 2017 at 6:33 pm

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Wenige Darsteller werden mit nur einer Rolle verbunden. Roger Moore wird aber immer James Bond sein und das ist an sich schon ein imposantes Erbe. Als der Brite in den Siebzigern den legendären Agenten von Sean Connery übernahm, war er schon ein großer Fernsehstar. Er spielte die Hauptrolle in diversen Serien, war in Deutschland vor allem als Simon Templar bekannt und natürlich als Sprücheklopfer in der Kultserie „Die Zwei“. Er hatte natürlich Glück, dass „Live and Let Die“ eine andere Richtung der Bond-Filme einschlug und ihm die Ausarbeitung der Figur so leicht machte. Sieben Mal war er als 007 auf der Leinwand, prägte damit die Figur des James Bond ebenso stark wie es Connery vor ihm tat. Moore war witziger und eleganter als sein Vorgänger. Er half, die Reihe nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken zu lassen. Mit cleveren Sprüchen und übertriebener Action gab er dem Helden eine Leichtigkeit, die ihn wieder relevant machten. Dabei sah er immer gut aus und versprühte eine Aura von Autorität und Sympathie.
Mit dem Ende seiner Bond-Zeit beendete er auch quasi seine Schauspielkarriere. Es gab noch ein paar Filme, die inzwischen schon fast alle vergessen sind, aber im Grunde genommen ging er in seiner neuen Rolle als UNICEF-Botschafter viel mehr auf und verbrachte die letzten Jahrzehnte seines Lebens damit, unsere Welt ein klein wenig besser zu machen. Manchmal verblassen die Leistungen beim Film neben denen in der echten Welt.
Und so geht ein großer Mann von der Bühne, dessen zwei Rollen noch lange nachhallen werden.

Bud Spencer 1929-2016

June 28, 2016 at 7:19 pm

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Wenn jetzt die Kultfigur „Bud Spencer“ gestorben ist, könnte man meinen, der Titel „Held der Kindheit“ würde ein bisschen zu oft in seinen Nachrufen auftauchen. Aber seien wir ehrlich, wie viele solcher Helden gibt es wirklich?

Trends kommen und gehen und die Kindheit ist schneller vorbei, als man denkt. Und doch bleiben die „Bud Spencer & Terence Hill“ Filme auch noch Jahrzehnte nach ihrer ersten Ausstrahlung im Kopf. Wer kann sich gegen deren harmlosen, aber total unterhaltsamen Klamauk denn wehren? Wer freut sich nicht, wenn der Dicke dem Schurken eins mit der Faust verpasst und dabei immer wieder einen dummen Spruch raushaut? Genau in der Harmlosigkeit dieser Filme liegen ihr Charme und die Kraft, so lange relevant zu bleiben. Es macht einfach Spaß, sich diese Filme anzusehen.

Für Carlo Pedersoli war das Leben ein Spaß. Dieser Lausbube im Körper eines Riesen, der vom Sport über Umwege zum Film kam, Musik machte, Essen und Leute liebte und dabei kein bisschen unecht wirkte, genoss alles was ihm entgegen kam. Sei es der Ruhm oder eine Backpfeife von irgendeinem Ganoven. Immer war Freude dabei. Das färbt ab. Aufs Umfeld und sogar noch viel weiter aufs Publikum. Mit Bud Spencer verabschiedet sich eine Ikone, eine Kunstfigur, in der so viel vom echten Menschen steckte, dass sie auch echt wirken musste.

Auch als er vor ein paar Jahren seine Biografie vorstellte und dafür durch halb Europa reiste. Da waren die Säle voll. Ja, er war inzwischen alt und nicht mehr so wendig. Die Augen, früher von der heißen Sonne zum Zwinkern gezwungen, später mit jedem Jahr ein bisschen mehr eingekniffen, das Gesicht durch Falten gegerbt und mit einem Rauschebart umrahmt, der Körper noch immer füllig, aber doch schon ein wenig eingefallen – ja, man hätte meinen können, der alte Mann Carlo hätte den unbezwingbaren Bud am Ende eingeholt. Wäre da nicht sein spitzbübisches Lächeln geblieben, das auf einmal auftauchen konnte und über alle Äußerlichkeiten strahlte. Da war er wieder da, der Dampfhammer, der Lebemann, der Held. Da wollte man am liebsten eine Rauferei anzetteln, um noch einmal dabei sein zu können.

Es bleibt der Dank, Bud Spencer so erlebt zu haben, wie es die Legende erzählt: als einen „Held der Kindheit“.

Götz George 1938-2016

June 28, 2016 at 6:50 pm

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Wenn man in den letzten Tagen etwas zum Tode Götz Georges liest, liest man auch ein Stück deutsche Geschichte. Die Lebensstationen eines unserer „größten Schauspieler“ sind so typisch deutsch, ja fast ein Klischee, dass sie uns beinahe vergessen lassen, dass er tatsächlich talentiert vor der Kamera spielte.

Geboren kurz nach dem Krieg und den Vater – einen Nazi-Sympathisanten und Schauspielkönig – schon früh in der Kindheit verloren. In den Sechzigern „Winnetou-Filme“ gemacht und damit Teil der größten Publikumserfolge der BRD (und auch DDR) gewesen. In den Siebzigern verweigerte er das Kunstkino, das Fassbinder so prägte und geriet dadurch fast in die Belanglosigkeit, nur im in den Achtzigern mit der Figur „Schimanski“ den „Tatort“ in völlig neue, nämlich realistisch inszenierte Situationen zu bringen (Stichwort: „Scheiße“). Und dann avancierte er in den Neunzigern omnipräsent vom westdeutschen zum gesamtdeutschen Schauspieler. Filme wie „Stonk“, „Rossini“ oder „Der Totmacher“ waren bei Publikum und Kritik gleichermaßen beliebt und ebneten den Weg, um in den letzten 15 Jahren anspruchsvolle Rollen im Kino und TV zu drehen. Zwischendurch haute er immer mal wieder nach Sardinien ab, um die Ruhe, das bessere Wetter, ja das ganze Leben, zu genießen. Alles typisch deutsch und doch so etwas Besonderes.

Ich habe nie einen „Schimanski“ gesehen, weder im regulären „Tatort“, noch in seiner eigenen Reihe. Für mich war George immer erst Darsteller und danach Kultfigur. Dass er bei „Wetten, dass…“ aneckte und auch sonst immer sagte was er dachte, rundete das Bild eines ganz besonderen Künstlers perfekt ab. Da hätte noch mehr kommen können in den nächsten Jahren. So aber bleibt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Was für eine Scheiße!

Drehbuch-Update – Alles auf Neu

October 19, 2015 at 11:39 pm

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Bevor in ein paar Stunden der neue Star Wars Trailer diesem Blog wieder etwas Leben einhauchen wird, soll dieser kleine Beitrag Lust auf mehr machen. Hauptsächlich mir selbst.
In den letzten Wochen und Monaten lief der kreative Prozess nicht gerade auf Hochtouren, was man nur zu einem gewissen Teil durch wirtschaftliche Zwänge erklären kann (ich habe gearbeitet, um Geld zu verdienen). Nein, es kam auch die Erkenntnis dazu, dass das Vorhaben „GRiG“ zwar eine schöne Idee ist, aber auch relativ teuer. Da ich aus der Produktionsecke komme, entgeht mir natürlich nicht, wenn ein Drehbuch etwas mehr als ein Mini-Budget erfordert. Und genau so ist es auch gekommen: Alle drei Akte stehen auf sicherem Fuß, es gibt genug Action-Szenen, um Spannung und Spaß zu generieren und auch die Charaktere und Beziehungen funktionieren ganz gut. Kurz: ich mag das Konzept und wohin es geführt hat. Problem dabei ist: ich mag es unter anderem, weil es sich wie eine runde Sache anfühlt, wie ein „echter“ Film. Da dieses Projekt aber dafür da war, mir einen eigenen Regiejob zu basteln – und zwar ohne den Luxus einer gut geölten Produktionsfirma oder gar eines Verleihers – muss ich zugeben, am Thema vorbei gearbeitet zu haben. Das kann passieren und das darf man auch zu spät merken, ohne sich wie ein Idiot zu fühlen. Ändert aber nix. Fakt ist, so wie das Buch jetzt steht, wird „GRiG“ zu teuer und damit nicht machbar sein.
In einem seltenen Moment kreativer Klarheit und Begeisterung über da bisher Geleistete, habe ich mich dagegen entschieden, das Buch runter zu reduzieren. Diese gängige Praxis gibt es nicht nur in Deutschland, wo das Geld ja immer knapp ist, sondern auch in Hollywood. Reduzierung muss nicht per se schlecht sein. In diesem Falle würden aber sehr viele Teile der Handlung wegfallen, sehr viele Locations und überhaupt der Kern des Ganzen.
Stattdessen sitze ich seit einer Woche an einem neuen Konzept. An der „kleinen“ Version dieser Welt. Jetzt, mehr als schon zuvor, schreibe ich etwas, das mit minimalem Budget umsetzbar sein muss und trotzdem in der von mir in den letzten zwei Jahren erschaffenen Welt spielen kann. Jawohl, ich rede mir das schön und gebe das bisher Erarbeitete nicht auf. Stattdessen sehe ich „GRiG“ als Sequel, als teure Fortsetzung eines kleinen Indie-Films, den es nun zu planen gilt.
Dafür werde ich Filmschland verstärkt bei der Ideenfindung nutzen. Mein Schreibprozess ist nämlich eine Mischung aus „Kopieren von geilem Zeug“ und „Bloß nicht die selben Fehler wie andere machen“. Was kann da besser sein, als meine Gedanken abzutippen und zu veröffentlichen? Das schafft Fokus und Disziplin.
Zumindest in der Theorie. Ich bin mal auf die Praxis gespannt.

Star Wars Episode 7 – Comic Con Reel

July 11, 2015 at 11:39 am

Ich bin ja vorsichtig, diese neue Version von J.J. Abrams zu loben, aber Mann oh Mann, das sieht alles ganz toll aus!!!

Der Film kommt Ende 2015 in die Kinos und hat jetzt schon tolle Fan-Art. Da kommt nach der San Diego Comic Con bestimmt noch so einiges mehr.

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Pierre Brice – 1929-2015

June 7, 2015 at 8:57 pm

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Nicht viele Schauspieler können von sich behaupten, der Held der Kindheit für ganze Generationen gewesen zu sein, doch viele Deutsche können von Piere Brice behaupten, genau dieser Held gewesen zu sein. Mit nur einer Rolle wurde der Franzose zur Ikone: Winnetou, der Häuptling der Apachen. Die Hauptfigur in unzähligen Karl-May-Verfilmungen aus den 60er Jahren.

Sein Tod versetzt uns nun wieder für einen kurzen Moment in die Kindheit, in der West- und Ostdeutschland gemeinsam einen Held hatten. Einen Franzosen! Im eigenen Land kaum bekannt, erreichte Brice, der mit seiner deutschen Ehefrau auch ein Haus in Bayern bewohnte, in Deutschland Kultstatus und wird bis heute von Alt und Jung verehrt. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und 2007 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Auszeichnung wurde ihm in der französischen Botschaft in Berlin in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft verliehen.

Anfangs mag die ständige Identifikation mit nur einer Rolle wohl noch unangenehm gewesen sein, für einen Schauspieler, der doch mehr als simple Unterhaltung liefern wollte. Doch über die Jahre trat er nicht nur in weiteren Winnetou-Adaptionen auf („Mein Freund Winnetou“, „Winnetous Rückkehr“), sondern auch bei verschiedenen Karl-May-Festivals, bei denen er unter freiem Himmel noch einmal den Häuptling verkörpern konnte.

Ich denke, dass Brice seinen Frieden mit dem Indianerhäuptling gemacht hat und sah, welche Wirkung er auf unzählige Jungen (und Mädchen?) hatte: die Idee von Frieden und Gerechtigkeit, von Mut und Freundschaft; sie wird von kaum einer Figur so verkörpert wie von seinem Winnetou und konnte als Vorbild für das Beste im Menschen strahlen.

Wahrlich kein kleines Vermächtnis.

 

GRiG – Eigenes Projekt

April 30, 2015 at 1:42 pm

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Wie angekündigt wird das hier alles etwas persönlicher. Zur Zeit bin ich in den Vorbereitungen für einen Spielfilm, soll heißen, noch in der ersten Script-Phase. Um euch ein bisschen daran teilhaben zu lassen, aber auch, weil ich dieses Blog als eine Art Notizzettel benutzen möchte, wird es in Zukunft Einträge unter dem Titel „GRiG“ geben.

 

Diese Abkürzung steht für „Guy Richie in Germany“, denn das ist es, was ich drehen will: einen Gangsterfilm á la Guy Richie. Nur in Deutschland. In Berlin. Und wenn ich Gangster meine, dann eher Kleinganoven. Das Ganze soll eine Komödie werden, oder zumindest ein Actionfilm, der lustige Momente hat. Eben wie Richies beste Filme (Rock’n’Rolla>Snatch>Lock,Stock…).  So etwas wurde ab und zu in Deutschland versucht, aber gerne auch mit Taratino-Einflüssen gespickt und meist hat das am Ende dann doch nicht funktioniert.

 

Und genau darum geht es mir bei dieser Übung (die hoffentlich in einem fertigen Film münden wird): Darum, zu analysieren, was funktioniert und was nicht. Was man beachten muss, beim Film allgemein und in Deutschland im Speziellen.

Leonard Nimoy – 1931-2015

March 4, 2015 at 11:27 pm

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In den letzten Tagen gab es viele Artikel, Bilder und Gesten, die den Tod Leonard Nimoys kommentierten.
Ich war Teenager, als Star Trek mein Leben übernahm und natürlich war Mr. Spock ein wichtiger Teil dieser Zeit. Daher ist es für mich nicht überraschend, dass Nimoys Tod ein besonderes Ereignis darstellt. Was überrascht, ist die Tatsache, dass dieser Mann, dieser Schauspieler, der soviel mehr war als nur die eine Rolle, doch auf diese eine Rolle reduziert wird. Und dass dies vielleicht nicht so schlecht ist, wie so mancher glauben mag.
Natürlich war Nimoy mehr als nur Spock. Er war Fotograf, Regisseur (wer weiß eigentlich, dass er „Drei Männer und ein Baby“ inszenierte?), Autor, Poet – schlicht ein ganzer Künstler. Und auch wenn ich als langjähriger Star-Trek-Fan von all diesen Talenten wußte und mich gar privilegiert fühlte, „hinter die Rolle“ gesehen zu haben, so kann ich doch zu dem selben Schluss kommen, zu dem Nimoy selbst kam: er war Spock.
Seine erste Biografie verneinte das noch und wurde harsch „I am not Spock“ betitelt. Das war in den Siebzigern, nachdem Star Trek abgesetzt wurde und er nach einer neuen Aufgabe suchte. Er bemerkte, auf eine Figur reduziert worden zu sein und konnte sich nur schwer damit anfreunden, von aller Welt als dieser emotionslose Logiker mit den spitzen Ohren gesehen zu werden. Mitte der Neunziger jedoch, nachdem er neben der erfolgreichen Männer-Komödie auch zwei Star-Trek-Filme inszeniert hatte, schrieb er seine zweite Biografie: „I am Spock“. Er hatte seinen Frieden mit dieser Figur geschlossen und konnte endlich genießen, was sie seinem Leben zu geben vermochte. Wichtiger noch, was diese Figur seinen Fans geben konnte.
Er war zu einem Ikonen geworden. Einem Symbol für eine Lebensweise. Zu „Kult“. Statt diese Rolle als Hindernis zu sehen, kam er nun zu dem Schluss, dass sie ihm auch Türen geöffnet hatte. Die Gedichte, Musik, Fotografie und seine Filmkarriere waren das Resultat seiner Berühmtheit, welche er nun einsetzte, um ein erfüllteres Leben zu führen. Sei es um seiner selbst Willen, oder um seinen Engagements eine Plattform zu bieten. Denn nicht wenige werden diesen Mann auch als jemanden in Erinnerung behalten, der ihnen jüdische Traditionen näher brachte oder der eine große Rolle als Feminist einnahm. Einem Mann, der Teil eines Phänomens war, das Millionen von Menschen zu Wissenschaftlern und Entdeckern machte.
Als er 2009 einen kleinen Auftritt in der Neuauflage von Star Trek hatte, konnte man dies wohl als Dankeschön an seine Kunstfigur sehen. Als Geste an die Fans und an sich selbst. Es ist rührend zu sehen, wie jetzt nach seinem Tod diese Geste bildlich fortlebt. Der vulkanische Gruß – die Hand in der Mitte gespreizt, von ihm bei einem jüdischen Ritual abgeguckt – ist zum Symbol von Frieden und Optimismus geworden. Wahrlich keine kleine Leistung. Wahrlich ein beeindruckendes Erbe.

Die großen Flops 2014

December 31, 2014 at 12:13 pm

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Was hätte 2014 nicht alles funktionieren sollen? Das Jahr sollte doch voller Knaller sein! Stattdessen überwogen die Totalausfälle – Filme, die auf den ersten Blick gut aussahen und dann doch absolut enttäuschten. Bei manchen war es absehbar, andere wiederum konnten erst im Kinosaal ihre völlige Enttäuschung verbreiten. In keiner besonderen Reihenfolge, da alle durchweg schlecht sind. Unbedingt vermeiden!!!

The Hobbit – Battle of the Five Armies
Ausführliche Gründe gibt es hier, kurz gesagt enttäuscht Peter Jacksons letzter Ausflug ins Fantasy-Reich vor allem durch seine aufgeblähten Schlachten, dünne Story und übermäßig schlechten digitale Effekte. Vorbei der Zauber der Herr-Der-Ringe-Trilogie. Es bleibt die Hoffnung, nie wieder von Dreharbeiten in Neuseeland zu hören, die irgendwas mit Zwergen, Orcs oder Zauberern zu tun haben.

Godzilla
Was hätte es nicht sein sollen? Die Wiedergutmachung für Roland Emmerichs enttäuschenden Hollywood-Godzilla (1998). Heisenbergs größtes Kinoabenteuer. Ein Film für Monsterfans und Sci-Fi-Nerds zugleich. Action mit Herz und Kopf – schließlich inszenierte Gareth Edwards, dessen Independet-Sci-Fi-Film Monsters (2010) überraschend Tiefgang hatte und trotzdem an Aliens nicht sparte. Doch leider hat es nicht sein sollen. Die Handlung: hanebüchen. Die Charaktere: langweilig (Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson hat all sein Charisma in den Kick-Ass-Filmen gelassen, Bryan „Heisenberg“ Cranston stirbt viel zu früh und Ken Watanabes japanischer Wissenschaftler erschließt sich leider nicht als interessantes Bindeglied zum asiatischen Kino sondern nur als reingezwängter Stichwortgeber, der uns Godzillas Hintergrund erklärt: mit dem Holzhammer). Die Effekte: ziemlich gut, aber kaum zu sehen! Da gibt es ein paar Kämpfe von Godzilla gegen andere Riesenmonster und wir sehen das nur hinter eingestürzten Häusern, nächtlichem Nebel und wackeligen TV-Bildern. Sowieso das Konzept: Wer kam denn auf die Idee, einen Monsterfilm zu drehen, in dem die Menschen dem Publikum egal sind und die Viecher als Bedrohung viel zu abstrakt durch die Gegend staken? Ich war überrascht, dass der Film so viel Geld eingespielt hat, weil ich wirklich nicht weiß, welches Publikum er überhaupt ansprach. Einziger Lichtblick: der digitale Godzilla sah aus, als steckt ein Mensch im Gummianzug drin. So ein Konzept muss man 2014 erstmal durchziehen!

Lucy
Wow, was für ein Totalausfall!! Luc Besson schafft es, seine gesamten filmischen Leistungen durch diesen idiotischen Eurotrash in Frage gestellt zu sehen. Wirklich, wie kann der Regisseur von Leon-Der Profi und Das 5. Element nur so eine riesige Grütze fabrizieren? Angefangen vom wissenschaftlich völlig widerlegten Klischee des ungenutzten menschlichen Hirns, über schlecht choreografierte Kampfszenen und Verfolgungsjagden bis hin zum völlig antiklimaktischen Finale wirkt dieses Machwerk wie der Erstlingsfilm eines Studenten. Noch mehr Meckerei gibt es hier.

Noah
Darren Aronofsky hat ein paar gute Filme gemacht und einen brillanten (The Fountain). Sein Blick war stets ungeschönt und direkt am Menschen dran. Aber wer dachte, dieser Regisseur könnte der doch recht unrealistischen Handlung der biblischen Sinnflut etwas Realismus einhauchen, der irrte gewaltig. Sein Werk nimmt die Vorlage zum Teil wörtlich und verhindert dadurch irgendeine Art von glaubwürdiger Umgebung – und damit die Möglichkeit einer durchdachten Handlung. Die Charaktere sind dann doch zu schablonenhaft, als könnten sie über den Blödsinn hinwegtäuschen, der uns da serviert wird.

Pompeii
Vielleicht ist es unfair Paul W.S. Andersons letztes Machwerk hier aufzuführen, weil sich der Ehemann von Milla Jovovich (!!!) seit über einem Jahrzehnt mit immer neuen B-Movies unterbietet. Aber man hätte doch vermuten können, dass diese Mischung aus Gladiator und Titanic eine halbwegs mitreißende tragische Liebesgeschichte erzählen könnte. Ach Quatsch, wem macht man da was vor. Der Resident-Evil-König steht nur eine kleine Stufe über Uwe Boll und wird wohl auch im kommenden Jahrzehnt nur Schrott produzieren.

Sin City – A Dame to Kill For
Ich fand den ersten Teil schon frauenfeindlich, stilistisch unausgegoren und sich selbst viel zu ernst genommen. Der zweite Teil der Regiekombo Robert Rodriguez + Frank Miller erweist sich zusätzlich dazu noch als absolut langweilig. Die Darsteller spielen, als wären sie gerade aus dem Koma erwacht und die ständigen Kommentare aus dem Off, die uns wohl die Gefühlswelt dieser steifen Schaufensterpuppen näher bringen sollen, wirken wie aus einer langatmigen Lesung des Rentnerbuchclubs. Außerdem wird nicht ersichtlich, in welcher Reihenfolge die einzelnen Episoden zueinander oder zum ersten Teil eigentlich stehen. Wer darauf 9 Jahre gewartet hat, dürfte nach einem dritten Teil wohl nicht mehr so laut schreien.

Teenage Mutant Ninja Turtles
Nachdem klar war, dass Michael Bay dieses Reboot unserer liebsten Schildkrötenkämpfer produzieren würde, musste man ein Fuck-Up á la Transformers erwarten und wurde dann auch nicht enttäuscht. Jetzt nicht mehr im Gummianzug, sondern durch Motion Capture digital zum Leben erweckt, wirken die vier Grünen irgendwie völlig daneben. Es hilft nicht, dass die Action und Komik stümperhaft inszeniert sind und eine neue, blöde Backstory erfunden wurde, die April O’Neil zur „Mama“ der Viecher befördert. Und dafür musste der arme Will Arnett auf die „Wetten, dass…“ Fernsehbank…

Transformers – Age of Extinction
Wenn man vom Teufel spricht, darf Michael Bays Regiearbeit dieses Jahres natürlich nicht unerwähnt bleiben. Eigentlich keine wirkliche Überraschung, nachdem die Filme mit jeder Fortsetzung immer schlechter wurden und doch gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer für den vierten Teil der Riesenroboterserie, denn es wurden die menschlichen Protagonisten mal komplett ausgetauscht, so dass sich jetzt Marky Mark mit irgendwelchen Unbekannten zusammentut, um Optimus Prime zur Seite zu stehen. War leider nix. Der einzige Lichtblick dieser erneuten sinnlosen Materialschlacht ist T.J. Miller, der sobald die Action langsam an Fahrt gewinnt auch direkt gekillt wird. Denn warum sollte man das erste Drittel des Films nicht mit der dümmsten Entscheidung des Jahres beenden, um die letzten zwei Drittel mit digitalem Schrott zu füllen, zu dem, ungelogen, Roboter-Dinosaurier gehören? Ja, warum eigentlich nicht? Eine Frage, die sich Bay wohl niemals stellen wird.

Transcendence, A Million Ways to Die in the West, Sabotage
Die drei wurden schon hier besprochen und haben sich rückblickend auch nicht mit Abstand zum Kinobesuch gebessert. Vielleicht kann ich Sabotage etwas gnädiger sehen, zumal dieser nicht Schwarzeneggers größtes Missgeschick seit seinem Comeback war – das war nämlich Escape Plan (2013), der zufälligerweise auch Stallones schlechtester Film seit Jahren ist. Und die beiden haben immerhin einen recht schlechten Expendables 3 in diesem Jahr rausgebracht! Der hat es übrigens auf die Liste nicht geschafft, weil er tatsächlich der beste Teil dieser Altherren-Idiotie war.

Da ich zu wenig deutsche Filme in diesem Jahr sah, kann ich da auch keinen Verlierer kühren, aber meine Meinung zu einem der groß gelobten Tatorte spiegelt wohl meine Haltung wider, zu so manch einem Versuch in unserem Land, auch mal einen auf Hollywood zu machen. Nach dem Zusammenstellen dieser Totalausfälle, frage ich mich, ob wir hier ein Hollywood 2.0 wirklich anstreben sollten.

Die Top Filme 2014

December 31, 2014 at 11:48 am

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2014 war sehr durchwachsen, fast schon ein schlechtes Jahr für Filme, gäbe es da nicht ein paar Highlights.

1. Interstellar (Christopher Nolan) 9/10
Nolans 2001-Update funktioniert grandios im IMAX-Kino und sollte da auch unbedingt gesehen werden. Ansonsten könnte es dem Film wie dem letztjährigen Gravity gehen, der beim Sehen auf dem kleinen Bildschirm an Wucht verliert. So bleibt aber zu sagen, dass mit tollen Schauspielern, absolut perfekten Special FX und Visual FX, Hans Zimmers bombastischen Orgelscore und einer Handlung, die kurz vor dem Kitsch doch irgendwie die Kurve kriegt, das Kinoerlebnis des Jahres abgeliefert wurde. Nolan beweist mal wieder, was das Wort „Innovation“ im Kinokontext wirklich bedeuten kann.

2. Edge of Tomorrow (Doug Liman) 8/10
Limans Science-Fiction-Tom-Cruise-Spektakel war sicherlich die größte Überraschung des Jahres. Eine Handlung wie ein Computerspiel, Matrix-artige Aliens, Mecha-Anzüge, die auf den ersten Blick mit dem modernen Design vom letztjährigen Elysium nicht mithalten können und eine dünne Emily Blunt, die der beste Soldat der Erde sein soll. Das hört sich nicht nach dem unterhaltsamsten Abenteuer von 2014 an. Ist es aber trotzdem! Der Film macht einfach so viel Spaß. Neben Cruise und Blunt darf Bill Paxton glänzen und eine Reihe von Nebenfiguren runden das Ensemble gekonnt ab. Es kommt nie Langeweile auf, für einen Witz ist immer Platz und doch bleibt auch das Drama nicht auf der Strecke. Endlich mal wieder ein Rundumpaket, bei dem es an keiner Ecke hapert. Mehr dazu hier.

3. Guardians of the Galaxy (James Gunn) 8/10
Das hätte der Film des Jahres sein sollen, allein weil Marvel hier völlig unbekannte Charaktere auf eine spaßig bunte Science-Fiction-Welt loslässt und damit der nächsten Generation ihr eigenes Star Wars verpassen könnte. Irgendwie schafft Regisseur Gunn dann trotzdem nicht, seinen eigentlich absurden Film von vielen Filmklischees zu befreien. Sei es der lahme Gegner Ronan, der unnötige Auftritt von Thanos (schlecht animierter Josh Brolin), das Ende-der-Welt-Szenario oder überhaupt die Idee, ein paar Halunken zusammenzupferchen, um sie zu echten Freunden zu machen. Da muss heutzutage mehr drin sein. Nichts desto trotz ein guter Spaß, den man gerne mehrmals sieht. Mehr dazu hier.

4. The Lego Movie (Phil Lord, Christopher Miller) 8/10
Ein Film über Legosteine? Also 90 Minuten Reklame für ne Bausteinfirma? Und das soll lustig sein? Ja, das ist total lustig und schnell und innovativ und Meta und bunt und alles! Regieduo Lord und Miller (21 Jump Street) schaffen es, diesem absurden Thema so viel Leben einzuhauchen, dass jede Minute Spaß macht. “Everything is awesome!”

5. 22 Jump Street (Phil Lord, Christopher Miller) 8/10
Der zweite Film des Regiedous Lord und Miller (The Lego Movie) macht sich über Fortsetzungen lustig und ist dabei so unterhaltsam wie schon der erste Teil des Serien-Reboots. Jonah Hill und Channing Tatum haben immernoch so viel Spaß wie das letzte Mal und auch an Action steht diese Komödie ihrem Vorgänger in nichts nach. Wie jeder Film hier, ist das ganze aber bitte nur im Original zu genießen, da die Hälfte der guten Sprüche in der Übersetzung an Kraft verlieren.

6. Dawn of the Planet of the Apes (Matt Reeves) 7/10
Besser als der letzte Teil des Reboots, wohl auch, weil wir weiter in die Welt der Affen eindringen, die beeindruckend mit computergenerierten Lebewesen aufwarten kann. Die Handlung um die letzten Menschen nach Ausbruch der Affen-Grippe ist durchaus spannend wird aber durch den internen Machtkampf der Schimpansen überschattet, was nichts schlechtes heißen muss. Natürlich bewegt sich der Film am Rande des Absurden, wenn Affen mit Maschinengewehren in den Händen auf Pferden in die Schacht reiten. Aber das Konzept der intelligenten, sprechenden Primaten ist die meiste Zeit so toll umgesetzt, dass man denken könnte, in einem gut durchdachten Film zu sitzen. Mehr dazu hier.

7. How to Train Your Dragon 2 (Dean DeBlois) 8/10
Der zweite Teil des besten Animationsfilmes, der nicht von Pixar kommt, kann seinem Original das Wasser reichen. Die Handlung ist größer angelegt, Welten werden erweitert, neue Charaktere kommen hinzu und das passiert alles so spielerisch, dass man den neuen Abenteuern von Hickup und seinem Drachen Toothless gerne zusieht. Ein bisschen ernster als sein Vorgänger kommt er schon daher, auch weil die Protagonisten zu Teenagern gewachsen sind. Der dritte Teil soll auf jeden Fall kommen und das Ganze abrunden. Nach dieser Fortsetzung mache ich mir keine Sorgen, dass dies eine der besten Trilogien überhaupt werden kann.

8. Bornholmer Straße (TV – Christian Schwochow) 8/10
Tatsächlich hat es einer der wenigen deutschen Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe, in diese Liste geschafft. Ein wirklich unterhaltsamer, lustiger und dabei doch relevanter Film (wir feiern dieses Jahr 25 Jahre Mauerfall). Die Charaktere rutschen alle knapp am Klischee vorbei, was ihre Handlungen in der Nacht vom 9. November 1989 um so authentischer macht. Allen voran schafft es Hauptdarsteller Charly Hübner die Balance zwischen Klamauk und Dramatik zu wahren. Ich fasse es nicht, ein deutscher Film, der Timing versteht! Das gibt Grund zur Hoffnung, dass wir neben Schweiger/Schweighöfer-Komödien doch was Lustiges in unserem Lande hinbekommen.

So wirklich begeistern konnte in diesem Jahr aber sonst nichts mehr auf der großen Leinwand. Erwähnen muss man aber noch das (US-)Fernsehen, das mal wieder Maßstäbe setzt.
Nicht verpassen sollte man:

1. True Detective (ja, wirklich so gut, wie alle sagen)
2. Die dritte und leider letzte Staffel von The Newsroom
3. Die zweite Staffel von House of Cards
4. Die aktuelle Staffel von South Park („Ya ya ya, I am Lorde“ / „PewdiePie!“)
5. Last Week with Jon Oliver (eine echte Bereicherung für Daily Show Fans)

 

Hab ich was vergessen?