Pierre Brice – 1929-2015

June 7, 2015 at 8:57 pm

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Nicht viele Schauspieler können von sich behaupten, der Held der Kindheit für ganze Generationen gewesen zu sein, doch viele Deutsche können von Piere Brice behaupten, genau dieser Held gewesen zu sein. Mit nur einer Rolle wurde der Franzose zur Ikone: Winnetou, der Häuptling der Apachen. Die Hauptfigur in unzähligen Karl-May-Verfilmungen aus den 60er Jahren.

Sein Tod versetzt uns nun wieder für einen kurzen Moment in die Kindheit, in der West- und Ostdeutschland gemeinsam einen Held hatten. Einen Franzosen! Im eigenen Land kaum bekannt, erreichte Brice, der mit seiner deutschen Ehefrau auch ein Haus in Bayern bewohnte, in Deutschland Kultstatus und wird bis heute von Alt und Jung verehrt. 1992 erhielt er das Bundesverdienstkreuz I. Klasse und 2007 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Auszeichnung wurde ihm in der französischen Botschaft in Berlin in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft verliehen.

Anfangs mag die ständige Identifikation mit nur einer Rolle wohl noch unangenehm gewesen sein, für einen Schauspieler, der doch mehr als simple Unterhaltung liefern wollte. Doch über die Jahre trat er nicht nur in weiteren Winnetou-Adaptionen auf („Mein Freund Winnetou“, „Winnetous Rückkehr“), sondern auch bei verschiedenen Karl-May-Festivals, bei denen er unter freiem Himmel noch einmal den Häuptling verkörpern konnte.

Ich denke, dass Brice seinen Frieden mit dem Indianerhäuptling gemacht hat und sah, welche Wirkung er auf unzählige Jungen (und Mädchen?) hatte: die Idee von Frieden und Gerechtigkeit, von Mut und Freundschaft; sie wird von kaum einer Figur so verkörpert wie von seinem Winnetou und konnte als Vorbild für das Beste im Menschen strahlen.

Wahrlich kein kleines Vermächtnis.

 

Mad Max: Fury Road (2015) – Kritik

May 21, 2015 at 4:47 pm

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Mad Max: Fury Road, Regie: George Miller, 120min, Australien/USA

10Sterne_lang

Kurz:
Brumm!! Roar!!! Bäng!!! Geil, geil, geil!!! Ein bahnbrechendes Action-Spektakel. Visuell grandios in Szene gesetzte Stunts machen diese apokalyptische, fast zweistündige Verfolgungsjagd zu einem absoluten Kino-Besuch-Muss. Ein Film der für die große Leinwand gemacht wurde.

Lang (Spoiler):
Die Handlung dieser losen Fortsetzung der MadMax-Filme ist schnell erzählt. In der Zukunft ist die Erde zu einer trostlosen Wüste geworden, in der sich Gangs um den letzten Tropfen Benzin und das arme Fußvolk um ein paar Tropfen Wasser kloppen. Beides wird von Immortan Joe (Hugh Keays Byrne) bereitgestellt, der offenbar eine Art König in dieser verschrobenen Welt aus Schrott und Gewalt ist. Doch als seine Soldatin Furiosa (Charlize Theron) seine (schwangeren) Ehefrauen entführt, setzt er sich und seine Armee daran, die längste und spektakulärste Verfolgungsjagd überhaupt ins Rollen zu bringen. Mittendrin Max (Tom Hardy), der Außenseiter, der zu Hilfe kommt, obwohl er gar nicht will.
Trotz – oder gerade wegen – dieser simplen Handlung entfaltet der Film eine grandiose Geschichte, ein visuelles Erzählkino, das auf Grund der vielen echten Stunts und In-Camera-Shots frischer und moderner wirkt als so manche computergesteuerte Comic-Verfilmung. Man ist einfach mitten drin im Geschehen. Das liegt auch an George Millers überragender Regie. Wie er aus diesem rasenden Zirkus ein einheitliches Ganzes strickt ist schon erstaunlich. Nie verliert der Zuschauer die Übersicht. Nie muss man sich fragen, wo man denn hinschauen soll, um nichts zu verpassen. Dabei wirken der Schnitt und die Kamera zu keinem Zeitpunkt altbacken, oder dem Alter des Regisseurs „angemessen“. Dem 70-jährigen Miller gelingt tatsächlich etwas, woran fast alle Franchises der 80er gescheitert sind: eine quasi-Neuauflage der alten Idee in neuem Glanz.
Was haben sie uns nicht alles kaputtgemacht: Star Wars, Indiana Jones, Die Hard, Alien, Predator, Terminator… eigentlich sind alle neuen Versionen gescheitert. Nicht so Mad Max! Miller nimmt die besten Teile der ursprünglichen Serie und multipliziert sie mit zehn. Die Fahrzeuge sind irre Frankenstein-Monster mit noch mehr Power als zuvor. Die Stunts sind so unglaublich, dass man denkt, der Cirque du Soleil hätte eine Überdosis Drogen genommen. Die Landschaften sind nicht nur öde Dünen, sondern verzaubernde Wüstenskulpturen. Die Bilder sind farbenfroh in leuchtendem Orange und Blau gehalten. Die Musik (komponiert von Junkie XL) gleicht einem Besuch im Hardcore-Techno-Club und kann mit ihrem ständigen Getrommel die rastlose Atmosphäre einer andauernden Verfolgungsjagd anheizen.
Der Trailer des Films war ja mein Liebling des letzten Jahres. Darin wird Miller großkotzig als „Mastermind“ bezeichnet. Was normalerweise eine maßlose Übertreibung der Marketingabteilung ist, muss in diesem Falle als nur all zu passend beschrieben werden. Man spürt quasi in jeder Minute den Meister aller Klassen. Schon jetzt überschlagen sich Filmkritiker mit Lob für das logistische Geschick, die visuelle Erzählweise, oder einfach das runde Gesamtpaket, das da abgeliefert wird. War die ursprüngliche Trilogie eine Grundlage für unzählige Kopien (u.a. das bekannteste Musikvideo von Tupac) und Inspiration für jede-Stuntshow-ever, wird Mad Max: Fury Road wieder einmal Maßstäbe setzen. Das Action-Genre bekommt den Spiegel vorgesetzt und seine Reflektion schreit „So macht man das!“ Michael Bay würde sich in Depressionen stürzen, weil mit jeder Minute Fury Road seine eigene Unzulänglichkeit als Bum-Bum-Explosions-Regisseur ersichtlich wird – wenn Michael Bay denn zu irgendeiner Art Selbstreflexion fähig wäre. Ach ja, sämtliche Stuntshow-Planer in der Welt atmen auf, weil sie sich kein neues Konzept ausdenken müssen, sondern die alten Schrottkarren und Lederklamotten wieder rausholen dürfen. Denn wer will so ein Spektakel nicht live erleben?
Bis man aber mal wieder von einer heißen Explosionswelle erfasst wird, die einem in der benzinstinkenden Arena der Universal-Studios (oder Babelsberg) entgegenschlägt, kann man aber getrost noch zwei bis drei Mal ins Kino gehen, weil sich auch ein wiederholter Besuch immer lohnt. Das erste Mal ist man von der schieren Verrücktheit des Films erfasst, beim nächsten Mal kann man sich etwas mehr auf die Handlung konzentrieren, die doch nicht so simpel ist, wie so manch ein Kunst-Kino-Kritiker befürchtet und vor allem durch das grandiose „word building“ gewinnt. Da kommen dann plötzlich die feministischen Züge des Films durch, und die Details der vorgelebten Gesellschaft, die Immortan Joe erschaffen hat und die sich gar nicht so sehr von unserer eigenen unterscheidet.
Miller hat schon weitere Filme angekündigt. Hoffen wir, dass er die Qualität dieses Meisterwerkes halten kann. Es wäre ein Gewinn für Zuschauer und Filmemacher zugleich.

GRiG – Eigenes Projekt

April 30, 2015 at 1:42 pm

GRiG-Logo

 

Wie angekündigt wird das hier alles etwas persönlicher. Zur Zeit bin ich in den Vorbereitungen für einen Spielfilm, soll heißen, noch in der ersten Script-Phase. Um euch ein bisschen daran teilhaben zu lassen, aber auch, weil ich dieses Blog als eine Art Notizzettel benutzen möchte, wird es in Zukunft Einträge unter dem Titel „GRiG“ geben.

 

Diese Abkürzung steht für „Guy Richie in Germany“, denn das ist es, was ich drehen will: einen Gangsterfilm á la Guy Richie. Nur in Deutschland. In Berlin. Und wenn ich Gangster meine, dann eher Kleinganoven. Das Ganze soll eine Komödie werden, oder zumindest ein Actionfilm, der lustige Momente hat. Eben wie Richies beste Filme (Rock’n’Rolla>Snatch>Lock,Stock…).  So etwas wurde ab und zu in Deutschland versucht, aber gerne auch mit Taratino-Einflüssen gespickt und meist hat das am Ende dann doch nicht funktioniert.

 

Und genau darum geht es mir bei dieser Übung (die hoffentlich in einem fertigen Film münden wird): Darum, zu analysieren, was funktioniert und was nicht. Was man beachten muss, beim Film allgemein und in Deutschland im Speziellen.

Black Mass (2015) – Trailer

April 25, 2015 at 12:41 am

Und plötzlich erinnert man sich wieder daran, dass Johnny Depp auch mal ein guter Schauspieler war.

Deutschlandstart: 17. September 2015

Jurassic World (2015) – Trailer

April 21, 2015 at 4:52 pm

Dieser lange Trailer sieht schon viel besser aus, als der erste Teaser.

Deutschlandstart: 11. Juni 2015

Fantstic Four (2015) – Trailer

April 20, 2015 at 12:27 am

Ein Comicabenteur mit nem Steinmonster und Flammenmann. Sieht besser aus als erwartet, aber immer noch ganz schön ernst.

Deutschlandstart: 6. August 2015

Batman VS. Superman (2016) – Trailer

April 20, 2015 at 12:21 am

Hm, auch nach ein paar Mal anschauen kann ich mich nicht allzusehr für dieses Zack- Snyder-Experiment erwärmen. Das sieht viel zu sehr nach Watchmen (2009) aus und der war ja bekanntlich ein Griff ins Klo.

Deutschlandstart: 24. März 2016

 

Star Wars: The Force Awakens – Teaser #2

April 16, 2015 at 8:32 pm

H-O-L-Y F-U-C-K !!!

A New Start – Alles auf Anfang…

April 3, 2015 at 5:24 pm

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Als ich vor über einem Jahr dieses Film-Blog startete, geschah dies, weil ich “Die Fünf Filmfreunde” den Bach runter gehen sah. Da gab es zwar ein Blog mit Film-News auf Deutsch, aber letztlich gab es kaum noch Einträge und wenn, dann waren es meist Verweise auf Moviepilot (oder wie auch immer die kommerzielle Seite heißt, an der mindestens ein FF arbeitet), schlecht geschriebene Kritiken (die Jungs bilden sich ein, dass Rechtschreibfehler einen “Schreibstil” darstellen können) oder Neuigkeiten, die ich sowieso schon kannte. Denn ehrlicherweise bekomme ich 90% meiner Neuigkeiten von www.slahsfilm.com. Das ist auch heute so.

Ich habe die FF hinter mir gelassen und mich damit abgefunden, dass ihre Seite seit dem Relaunch einfach uninteressant geworden ist. Ich habe mich ebenso damit abgefunden, dass meine Seite nicht die bessere Alternative sein wird. Einfach, weil ein gutes Format mehr Zeit und Arbeit verlangt und ich weder Journalist bin, noch daran interessiert, eine Platform für andere Journalisten zu sein (okay, wenn sich jetzt plötzlich lauter Leute melden, die unbedingt Gastschreiber auf Filmschland sein wollen, überleg ich mir das nochmal).

Tatsache ist, dass ich in Zukunft weiterhin Trailer und Kritiken posten werde. Aber sicherlich so unregelmäßig wie es seit Anfang 2015 schon passiert ist. Ich liebe Filme und will das Thema auch weiterhin bearbeiten. Nur eben persönlicher. Hey, ich habe ja ein Blog, da kann ich vom Pseudo-Journalisten auch zum Pseudo-Blogger werden. Also, alles auf Anfang. Ich werde von nun an eigene Arbeiten zeigen, Filme analysieren, die ich interessant finde, Fortschritte dokumentieren (und Rückschritte ebenso) und einfach offener an alles herangehen. Mal sehen, wie professionell das noch wirken kann. In jedem Fall freue ich mich über Reaktionen.

Leonard Nimoy – 1931-2015

March 4, 2015 at 11:27 pm

Spock-Leonard-Nimoy

In den letzten Tagen gab es viele Artikel, Bilder und Gesten, die den Tod Leonard Nimoys kommentierten.
Ich war Teenager, als Star Trek mein Leben übernahm und natürlich war Mr. Spock ein wichtiger Teil dieser Zeit. Daher ist es für mich nicht überraschend, dass Nimoys Tod ein besonderes Ereignis darstellt. Was überrascht, ist die Tatsache, dass dieser Mann, dieser Schauspieler, der soviel mehr war als nur die eine Rolle, doch auf diese eine Rolle reduziert wird. Und dass dies vielleicht nicht so schlecht ist, wie so mancher glauben mag.
Natürlich war Nimoy mehr als nur Spock. Er war Fotograf, Regisseur (wer weiß eigentlich, dass er „Drei Männer und ein Baby“ inszenierte?), Autor, Poet – schlicht ein ganzer Künstler. Und auch wenn ich als langjähriger Star-Trek-Fan von all diesen Talenten wußte und mich gar privilegiert fühlte, „hinter die Rolle“ gesehen zu haben, so kann ich doch zu dem selben Schluss kommen, zu dem Nimoy selbst kam: er war Spock.
Seine erste Biografie verneinte das noch und wurde harsch „I am not Spock“ betitelt. Das war in den Siebzigern, nachdem Star Trek abgesetzt wurde und er nach einer neuen Aufgabe suchte. Er bemerkte, auf eine Figur reduziert worden zu sein und konnte sich nur schwer damit anfreunden, von aller Welt als dieser emotionslose Logiker mit den spitzen Ohren gesehen zu werden. Mitte der Neunziger jedoch, nachdem er neben der erfolgreichen Männer-Komödie auch zwei Star-Trek-Filme inszeniert hatte, schrieb er seine zweite Biografie: „I am Spock“. Er hatte seinen Frieden mit dieser Figur geschlossen und konnte endlich genießen, was sie seinem Leben zu geben vermochte. Wichtiger noch, was diese Figur seinen Fans geben konnte.
Er war zu einem Ikonen geworden. Einem Symbol für eine Lebensweise. Zu „Kult“. Statt diese Rolle als Hindernis zu sehen, kam er nun zu dem Schluss, dass sie ihm auch Türen geöffnet hatte. Die Gedichte, Musik, Fotografie und seine Filmkarriere waren das Resultat seiner Berühmtheit, welche er nun einsetzte, um ein erfüllteres Leben zu führen. Sei es um seiner selbst Willen, oder um seinen Engagements eine Plattform zu bieten. Denn nicht wenige werden diesen Mann auch als jemanden in Erinnerung behalten, der ihnen jüdische Traditionen näher brachte oder der eine große Rolle als Feminist einnahm. Einem Mann, der Teil eines Phänomens war, das Millionen von Menschen zu Wissenschaftlern und Entdeckern machte.
Als er 2009 einen kleinen Auftritt in der Neuauflage von Star Trek hatte, konnte man dies wohl als Dankeschön an seine Kunstfigur sehen. Als Geste an die Fans und an sich selbst. Es ist rührend zu sehen, wie jetzt nach seinem Tod diese Geste bildlich fortlebt. Der vulkanische Gruß – die Hand in der Mitte gespreizt, von ihm bei einem jüdischen Ritual abgeguckt – ist zum Symbol von Frieden und Optimismus geworden. Wahrlich keine kleine Leistung. Wahrlich ein beeindruckendes Erbe.