Leonard Nimoy – 1931-2015

March 4, 2015 at 11:27 pm

Spock-Leonard-Nimoy

In den letzten Tagen gab es viele Artikel, Bilder und Gesten, die den Tod Leonard Nimoys kommentierten.
Ich war Teenager, als Star Trek mein Leben übernahm und natürlich war Mr. Spock ein wichtiger Teil dieser Zeit. Daher ist es für mich nicht überraschend, dass Nimoys Tod ein besonderes Ereignis darstellt. Was überrascht, ist die Tatsache, dass dieser Mann, dieser Schauspieler, der soviel mehr war als nur die eine Rolle, doch auf diese eine Rolle reduziert wird. Und dass dies vielleicht nicht so schlecht ist, wie so mancher glauben mag.
Natürlich war Nimoy mehr als nur Spock. Er war Fotograf, Regisseur (wer weiß eigentlich, dass er „Drei Männer und ein Baby“ inszenierte?), Autor, Poet – schlicht ein ganzer Künstler. Und auch wenn ich als langjähriger Star-Trek-Fan von all diesen Talenten wußte und mich gar privilegiert fühlte, „hinter die Rolle“ gesehen zu haben, so kann ich doch zu dem selben Schluss kommen, zu dem Nimoy selbst kam: er war Spock.
Seine erste Biografie verneinte das noch und wurde harsch „I am not Spock“ betitelt. Das war in den Siebzigern, nachdem Star Trek abgesetzt wurde und er nach einer neuen Aufgabe suchte. Er bemerkte, auf eine Figur reduziert worden zu sein und konnte sich nur schwer damit anfreunden, von aller Welt als dieser emotionslose Logiker mit den spitzen Ohren gesehen zu werden. Mitte der Neunziger jedoch, nachdem er neben der erfolgreichen Männer-Komödie auch zwei Star-Trek-Filme inszeniert hatte, schrieb er seine zweite Biografie: „I am Spock“. Er hatte seinen Frieden mit dieser Figur geschlossen und konnte endlich genießen, was sie seinem Leben zu geben vermochte. Wichtiger noch, was diese Figur seinen Fans geben konnte.
Er war zu einem Ikonen geworden. Einem Symbol für eine Lebensweise. Zu „Kult“. Statt diese Rolle als Hindernis zu sehen, kam er nun zu dem Schluss, dass sie ihm auch Türen geöffnet hatte. Die Gedichte, Musik, Fotografie und seine Filmkarriere waren das Resultat seiner Berühmtheit, welche er nun einsetzte, um ein erfüllteres Leben zu führen. Sei es um seiner selbst Willen, oder um seinen Engagements eine Plattform zu bieten. Denn nicht wenige werden diesen Mann auch als jemanden in Erinnerung behalten, der ihnen jüdische Traditionen näher brachte oder der eine große Rolle als Feminist einnahm. Einem Mann, der Teil eines Phänomens war, das Millionen von Menschen zu Wissenschaftlern und Entdeckern machte.
Als er 2009 einen kleinen Auftritt in der Neuauflage von Star Trek hatte, konnte man dies wohl als Dankeschön an seine Kunstfigur sehen. Als Geste an die Fans und an sich selbst. Es ist rührend zu sehen, wie jetzt nach seinem Tod diese Geste bildlich fortlebt. Der vulkanische Gruß – die Hand in der Mitte gespreizt, von ihm bei einem jüdischen Ritual abgeguckt – ist zum Symbol von Frieden und Optimismus geworden. Wahrlich keine kleine Leistung. Wahrlich ein beeindruckendes Erbe.