Star Wars – Original Modelle + Behind The Scenes

October 24, 2014 at 10:09 am

Vergisst man mal den Prequel-Scheiß dann war Star Wars ein wirklicher Meilenstein. Seit ein paar Tagen geistern zur Original-Trilogie tolle Bilder im Netz.

Für Modell-Liebhaber gibt es 50 Bider hier. Und für ein paar mehr Behind The Scenes von Return of the Jedi gibt es auch ein Album.

Ein Vorgeschmack:

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Kritik – 20,000 Days On Earth

October 22, 2014 at 12:07 pm

Nick20000

20,000 Days On Earth, Regie: Iain Forsyth & Jane Pollard, 97min, Großbritannien 2014
7Sterne_lang

Als ich vor knapp 20 Jahren Nick-Cave-Fan wurde, war ich schon fast zu spät dran. Der Mann hatte immerhin eine turbulente Karriere in den Achtzigern begonnen, die – angetrieben von verschiedensten Drogenexperimenten und Undergroundkonzerten – seinen punkigen RocknRoll schön am Mainstream vorbei manövrierte. Dennoch waren es die Neunziger, in denen der Name „Nick Cave and The Bad Seeds“ nicht mehr nur in versteckten Hinterhöfen zu finden war. Ein Duett mit Kylie Minogue brachte die Band sogar in die Charts und so lernten auch mehr Deutsche Caves Musik kennen – ein Jahrzehnt nachdem er in West-Berlin die Bad Seeds gegründet hatte. In diesem Absatz versteckt sich wahrscheinlich mehr Information, als in dem ganzen Film 20.000 Days On Earth, der weniger eine Biografie, denn ein Puzzle ist. Dessen Teile sind nicht immer passend aneinandergereiht, geschweige denn gut erkennbar.

Für jemanden, der von Nick Cave noch nie etwas gehört hat, ist dieser Film daher wohl recht verwirrend. Das episodenhafte Porträt eines Mannes und seiner Musik. Gespickt mit Gästen wie Ray Winstone, Blixa Bargeld, Kylie Minogue, einem Psychiater (!), Archivaren und verschiedensten Erinnerungsstücken. Zwischendurch immer wieder Musik. Ein paar ganze Songs verstecken sich im Film, ebenso wie Proben, Aufnahmen und Erinnerungen an vergangene Gigs. Teilweise hat man das Material schon im letzten Jahr bei einem Konzert sehen können, als das neue Album „Push The Sky Away“ (2013) vorgestellt wurde. Iain Forsyth and Jane Pollard haben die Entstehung des Albums dokumentiert und ihren Film quasi um diese Dokumentation herum gebaut. Man kann sich fragen, wie „echt“ 20,000 Days wirklich ist und wie viel des Erzählten denn nur der Fantasie Caves entsprang. Das macht einen gewissen Reiz aus und passt sehr gut ins Gesamtkonzept des Films, der weder echte Dokumentation, noch fiktives Werk sein will.

Eine Empfehlung für jeden Fan und auch für Leute, die einer besonderen Mischung aus Punk, Rock und Poesie begegnen möchten.

6 Probleme mit dem Tatort „Im Schmerz geboren“

October 17, 2014 at 2:09 pm

Tatort_Schmerzgeburt
Es ist ja ein Wunder, dass überhaupt Tatorte produziert werden können. Mit einem minimalen Budget, Zeitdruck und Einflussnahme von greisen Redaktionen in den Sendeanstalten scheint es kaum möglich, irgendwas zu filmen. Den wirtschaftlichen Aspekt lassen wir mal außen vor, obwohl dieser gerade eben erst in diesem Artikel zum Schweiger-Tatort beschrieben wird. Das Geheimnis: es lohnt sich eben nicht, einen Tatort zu drehen. Zumindest nicht wirtschaftlich. Und kulturell? Oder kreativ? Hier sind 6 Probleme des letzten Versuchs – noch bis zum Wochenende in der Mediathek abrufbar – , die uns zeigen, wie sinnlos überhaupt eine Diskussion um die Reihe Tatort ist.

1. Overkill
Ein Lolli ist toll. Zuckersüß und was besonderes. Ein Lolli in einem Bonbon-Laden ist schon weniger wert, weil es ja so eine große Auswahl an Süßigkeiten gibt. Ein Lolli in einem Bonbon-Laden in Disneyland geht schließlich unter. Das passiert auch mit Ideen. Eine neue Idee im Tatort ist gut. Ein paar mehr sogar besser. Aber wenn man das Format quasi zumüllt, verliert es nicht nur seinen Reiz, man kann auch das Besondere daran nicht mehr erkennen. Und so gibt es neben einer theatralischen Einleitung eines Schauspielers, der einen Schauspieler spielt, der einen Gangster spielt, der gerne Schauspieler geworden wäre, auch noch allen möglichen anderen überbordenden Kram. Einen Erzähler, der uns mittendrin die Handlung erklärt (oder auch nicht, weil er das Gesehene eigentlich nur wiederkäut), „lebende Gemälde“, Zitate aus anderen Filmen, Büchern, Mythen. Freeze-Frames mit roter Farbgebung! Freeze-Frames, die aussehen wie gemalt! Shakespeare. Noch mehr Shakespeare! Überall Shakespeare, sogar im bolivianischen Dschungel. Einen Mord. Noch einen Mord. Und noch einen Mord! Der Antagonist als wandelnder Sensenmann. Ein Duell, und noch eins, und noch eins, und… noch eins! Sowieso ist der ganze Film ja ein einziges Duell: der Cop gegen den Abtrünnigen. Schade nur, dass einem das immer wieder erklärt werden muss, denn immerzu stehen sich die beiden zwar gegenüber, aber spannend ist das noch lange nicht. Am Ende wirkt das alles so aufgesetzt, dass es jeden Sinn verliert.

2. Musik
Eigentlich gehört die Musik zum ersten Problem, allerdings ist der Overkill dabei besonders eklatant. Wenn man im Vorspann liest „Musik: HR-Sinfonieorchester“, könnte man sich ja fragen, wer der Komponist ist. Doch weit gefehlt! Für diesen besonderen Tatort reicht kein einzelner Künstler, nein, man greift auf einen großen Klassik-Katalog zurück, um möglichst imposant daher zu kommen. Schade nur, dass man damit völlig daneben greift. Wie soll ein kohärentes Klangbild entstehen, wenn man durch verschiedene Stile und Epochen durchrattert und vom Leitmotiv nichts wissen will? Klar, es gibt Regisseure, die aus verschiedenen Songs und klassischen Stücken eine tolle Stimmung erzeugen können (Scorsese, Tarantino). Tatort-Regisseur Florian Schwarz fehlt da doch offenbar das Feingefühl.

3. Altbacken sein
Trotz Overkill bleibt sich der deutsche TV-Krimi aber so treu, dass es zum Heulen ist. Wenn einen das Duell „3 Söhne gegen den Mann in Weiß“ am Anfang nicht mitreißt, hat man noch mal 20 Minuten Zeit, sich irgendwie in diese Story reinzudenken, weil nichts Besonderes passiert. Ach was, denken? Hier wird wie immer alles erklärt, so als sitze ein hirnamputierter Blinder vor dem TV-Gerät. Jules & Jim war ein Film über eine Dreiecksbeziehung. Wiederholen wir das doch auch mindestens dreimal, damit es jeder kapiert. Die blonde Kollegin könnte was von Murot wollen? Das müssen aber auch bitte schön alle Kollegen (und der Antagonist!) nochmal erklären. Sowieso: Murot. Wenn man so wie ich, den Herrn vorher nicht kannte, wird doch auf schön deutsche Manier der Name bei jeder noch so passenden (und unpassenden) Gelegenheit rausposaunt. Murot hier, Murot da. Wie heißt der Kommissar nochmal? Murot, oder? Mein Gott, wer redet denn so? Aber wenn’s denn nur beim Namen bliebe. Nein, ständig muß uns der Böse erklären, was er denn vorhat, damit, wenn’s schließlich passiert, keine Überraschung mehr bleibt. Wir könnten uns ja überanstrengen am Sonntagabend. Aber auch sonst ist Innovation fehl am Platze. Der Vorspann: wird auf keinen Fall aktualisiert, auch wenn er von Stimmung, Grafik und Musik her wirkt, wie ein Relikt aus der Franz-Josef-Strauss-Zeit. Die Kamera: langweilig. Die Farbgebung: unglücklich gewählt (ist es denn nur ein Western, weil sich ein leichter Gelbstich durch die 90 Minuten zieht?). Die Musik: hatten wir schon – muss aber nochmal erwähnt werden, weil sie wohl auch Drama und Theatralik vermitteln soll. Als ginge das nicht anders. Der Schnitt: naja, bloß nicht zu schnell, bloß nicht zu kurz, bloß nicht verwirrend. Das Schauspiel: schwankt zwischen großer Bühne und authentischem Gelaber. Wirkt aber immer schön unrealistisch. Das Drehbuch: das eigentliche Verbrechen dieses Krimis. Eine Rachegeschichte, so unrealistisch und so überstrapaziert, dass sie die verschachtelte Erzählform braucht, denn wenn man die dünne Handlung einfach mal runterbricht, bleibt kaum mehr als ein Satz: Lover trauert um tote Freundin und wird irre dabei. Ach ja, Kind auch tot. Kommissar weiß aber von nix. Super Bulle, oder? Ist ja nicht so, als hätte man nicht beim ersten Erwähnen der Dreiecksbeziehung gewusst, wessen Sohn da so präzise den Scharfschützen mimt. Uh, oh, bloß keine Überraschungen, der Zuschauer könnte ja verwirrt sein.

4. Emotionen
Nicht vorhanden. Ja, Ulrich Matthes spielt einen aus Trauer verrückt gewordenen Mann. Den Wahnsinn nimmt man ihm auch ab, weil kein normal denkender Mensch so einen dummen Plan am anderen Ende der Welt aushecken könnte. Oder weil es wohl keinen normalen Menschen gibt, der einen Vaterschaftstest per Babygeruch hinbekommt. Der ruhige Gegenpol ist also Murot – gespielt von einem unentschiedenen Ulrich Tukur. Soll er denn nun von der Vergangenheit prahlend erzählen, oder doch nur Fakten runterstammeln? Darf er mal etwas Nähe zu seinem Sohn entwickeln? Oder zu seiner Assistentin? Oder zu der Kollegin, die ihn so geil anguckt? Oder darf er nur sauer sein, auf den alten Wegbegleiter? Aber wenigstens versuchen diese beiden ja etwas Emotion rüberzubringen. Allen anderen bleibt dies verwehrt. Abgesehen von der letzten Würgeszene rennt Golo Euler wie benebelt als Bastard David durchs Bild. Von Gefühl keine Spur. Alexander Scheer kann froh sein, dass man ihm eine RockaBilly-Frisur verpasste, sonst könnte man ihn glatt übersehen. Seinen Boss, den Shakepeare-liebenden Mafioso Bosco erwischt es nicht besser. Nur mal kurz zuckt er zusammen, als er vom Tod seiner Söhne erfährt. Ist aber in der nächsten Szene gleich vergessen. Und alle haben sie etwas gemein, dass vielleicht die Theatralik des Tatorts untermalen soll, aber nur unrealistisch daher kommt: sie sterben so schön leise. Drei Jungs kommen zum Duell. Der erste wird abgeknallt, der zweite auch und der dritte steht auch nur zum Umfallen rum. Ihr Vater nicht besser (ja, was passiert wohl mit einem Laserpunkt auf der Brust?). Der waffenhandelnde Autor lässt sich später ganz ruhig die Betonfüße anketten (wirklich, die Betonfüße – im Jahre 2014?!?) und die verräterische Kollegin wartet gemütlich ab, dass ihr Killer einen Schalldämpfer vor die Knarre schraubt, bevor sie dran glauben muss. Am Ende gucken alle doof in die Kamera, beim Gruppenfoto der Toten. War ja alles nur Spiel, nicht wahr? Muss den Zuschauer ja nicht jucken. Bloß kein Gefühl wecken, man soll doch bitte noch schlafen können.

5. Deutschland-Syndrom
Sowieso der Zuschauer. Was hat man nicht alles gelesen zu diesem „Ausnahme-Tatort“. Wie sich die Menschen uneinig waren, ob man sowas zeigen darf. Soviel Blut, soviele Leichen. Au weia. Und dann die Begeisterten! Nicht nur in der Presse, auch im Wohnzimmer. Da werden Kommentare abgegeben, den besten Tatort aller Zeiten gesehen zu haben. Oder dass man sich nicht vor Hollywood verstecken müsste. Oder das Hollywood sowieso doof sei und man es hier doch auch könne. Ehrlich? Das soll Hollywood-Niveau gewesen sein? Ja, wenn man nur Filme vor 1990 gesehen hat, dann vielleicht. Andererseits sagt es natürlich auch etwas über die Qualität der bisherigen Tatorte aus, wenn dieses Mittelmaß schon als Erlösung herhalten kann. Woche für Woche betäubt sich der Deutsche mit „seinem“ Tatort und zwar nicht nur der Alte, der schon seit den Siebzigern dabei ist, sondern auch der Junge, der mit anderen in der Kneipe sitzt und das Angucken zum „Ritual“ zur „Tradition“ ja sogar zum „Kult“ auserkoren hat. Wenn eine Nation sich damit zufrieden gibt, dann steht es schlecht um die Filmvielfalt. Ums Fernsehen sowieso.

6. Die Öffentlich-Rechtlichen
Und da wären wir dann auch beim letzten und größten Problem: Dem zwangsfinanzierten TV, das uns irgendwie seine Existenzberechtigung unterjubeln will und das mit dem einzig funktionierenden Format (neben Fußball) begründen möchte. Ja klar ist der Tatort gut, wenn ihr sonst nur Schrott sendet. Ja klar ist der Tatort was besonderes, wenn die restliche TV-Landschaft nur aus dummen Quizshows, Talkshows, Politiksendungen und Volksmusik besteht. Und dafür zahlt man also knapp 20 Euro im Monat. Dafür, dass dieses lächerlich überzogene und doch viel zu simple Drehbuch durchgewunken wurde? Dass man das heutzutage noch schön langweilig inszenieren darf und es als Tradition verkauft? Dafür, dass Talente vor und hinter der Kamera lügen müssen und den Tatort als das Höchste im TV loben? Dafür dass man diesen Talenten durch altbackene Regeln, politischen Druck und unnötigen Quotenwahn die Chance raubt, mal was richtig Gutes zu machen? Dafür zahlen wir also Gebühren? Wir können uns ja gegenseitig noch so sehr anlügen, aber Fakt ist doch, dass man die 20-Euro-Monatsgebühr eben nicht für eine DVD von „Im Schmerz geboren“ ausgeben würde. Für einen Hollywoodfilm aber schon.

Lucy – Kritik

October 16, 2014 at 10:38 am

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Lucy, Regie: Luc Besson, 89min, Frankreich 2014
3Sterne_lang
Kurz:
Scarlett Johannson wird in Asien mit einer Wunderdroge infiziert, die ihr Zugang zu 100% ihrer Hirnleistung gibt und dadurch zu einem Superwesen mutieren lässt. Das klingt tausend mal besser, als es in diesem konfusen, völlig banalen Luc-Besson-Film umgesetzt wurde. Glücklicherweise reicht eine normale Hirnleistung aus, um zu erkennen, dass man sich seine Zeit für etwas Besseres aufheben sollte.

Lang (Spoilers):
„Suspension of Disbelief“ umschreibt den Zustand, den ein Zuschauer erreichen muss, um in Filmen präsentierte Realitäten als „wahr“ erscheinen zu lassen. Wird dies nicht erreicht, kann er nicht in die Filmwelt eintauchen und bleibt mit verlorenem Blick von Außen vor einer Aneinanderreihung von Szenen, die ihn emotional und intellektuell kalt lassen.

Luc Besson hat ein paar tolle Filme gedreht. In den 90ern. Märchen, wie Das 5. Element, oder coole Thriller wie Leon – Der Profi. Das ist lange her und es scheint, als hätte er eine Entwicklung zurück zum Anfänger-Filmer gemacht. Wie anders soll man erklären, dass Lucy in keiner Minute funktioniert, ja dass die ganze Prämisse des Films so bescheuert ist, dass man sich ständig fragt, ob hier willentlich Verarsche am Zuschauer betrieben wird, oder ob es Besson einfach nicht interessiert hat, länger als zwei Stunden am Drehbuch zu schreiben. Die Idee, einen Über-Menschen zu kreieren, noch dazu eine junge, schöne Frau, ist ja nicht neu, sondern wurde von ihm im 5. Element grandios umgesetzt. Aber zu denken, man könne die Sci-Fi-Elemente des Märchens entfernen und trotzdem zu einem überzeugenden Ergebnis kommen, lässt erahnen, dass der Regisseur und Autor hier tatsächlich nur 10% seines Hirns benutzt hat. Und darum geht es ja: dass wir Menschen nur einen Bruchteil unseres Denkapparats benutzen und uns daher die ganze Welt verschlossen bleibt. Mal abgesehen davon, dass diese These schon seit Jahrzehnten widerlegt wurde, ist es schon völlig hanebüchen, die 20%-Hürde durch eine Wunderdroge knacken zu können.

Aber genau das will uns Besson hier weismachen. Lucy, ein junges Dummchen in Asien, wird unfreiwillig zur menschlichen Drogenlieferantin. Sie trägt ein mysteriöses Paket in ihrem Bauch – super beim eigenen 5. Element geklaut – soll das eine Homage sein oder ist das Schreibfaulheit? Dann reißt das Paket und setzt die Droge in ihrem Organismus frei. Und schwups, hat man die nächste Stunde Zeit, sich mit anzusehen, wie Lucys Hirnaktivität Sprünge macht, von 30% zu 100% und sie damit vom Menschen zu Gott werden lässt. Weil, ist ja klar, wir sind alle Götter, die ihr Potential nicht kennen. Logo, so hat das die Natur gemacht. Am Ende können wir Zeitreisen (oder uns das Universum erklären, oder so) und werden zu Supercomputern. Das hat ja dieses Jahr schon mal richtig gut geklappt (siehe Transcendence). Morgan Freeman läuft als Wissenschaftler durchs Bild, um dem Ganzen etwas Seriöses zu geben (siehe Transcendence) und kann diesen Schrott trotzdem nicht retten (siehe Transcendence).

Aber wenigstens gibt es Action, oder? Schließlich hat Besson nicht nur Leon gedreht, sondern auch die Transporter– und Taken-Filme produziert. Wie kann es da sein, dass die Action aussieht wie aus einem Studentenfilm? Wie kann das Überwesen Lucy noch durch eine Waffe bedroht werden? Die Antwort: sie kann es nicht. Wieso gibt es am Ende des Films trotzdem einen Climax, der uns ein Hong-Kong-Kino-Shootout vorsetzt? Was macht ein Franzosen-Cop eigentlich da mittendrin?
Es bleibt die Frage, ob Besson wider besseren Wissens einen Schrott-Film gedreht hat, oder ob er sich gar nicht bewusst war, was für eine Grütze da rauskam. War ihm nicht bewusst, dass die Mutation zum Superwesen Lucy zu einer emotional kalten, nicht identifizierbaren Person macht, dass dem Publikum also keine Figur bleibt, an die er sich binden kann?

Aber ohne Gefühle ist jedes Kino ein Totgeburt. Hat Besson sich Das 5. Element seit dessen Entstehung nicht mehr angesehen? Einen Film, der „Liebe triumphiert über alles“ propagiert? Oder Leon, der im Kern doch die tiefe Freundschaft zweier Außenseiter zeigt? Oder selbst Taken, der uns zumindest halbherzig versucht, Liam Neeson als von Fürsorge getriebenen Vater zu verkaufen? Hat er einfach vergessen, was seine Filme mal besonders machte?

Vielleicht ist Lucy aber auch einfach nur zu unrealistisch. Wunderdroge, Mutation, Gottcomputer – all das könnte irgendwie funktionieren, wenn man seinem Publikum ein wenig Intelligenz zutrauen würde. Aber leider denkt Besson offenbar, dass wir unser Hirn wirklich nur in Bruchteilen nutzen. Für Lucy sind 10% allerdings noch zu viel.