Bob Hoskins 1942-2014

April 30, 2014 at 3:30 pm

The-Long-Good-Friday

 
Bob Hoskins ist an einer Lungenentzündung mit 71 Jahren verstorben.

Die jüngere Generation wird ihn vor allem aus den frühen 90ern kennen. Who Framed Roger Rabbit, Hook, Mermaids oder selbst Super Mario Bros. brachten dem Briten ein breites Publikum und ein paar Jahre Ruhm in Hollywood. Man hätte meinen können, er wäre auf Komödien abboniert. Aber Hoskins war schon vor seinem Ausflug in den Mainstream zu einer Ikone geworden. Ohne den grandiosen Long Good Friday (Riffifi am Karfreitag, 1980) gäbe es wohl heute kaum britische Gangsterfilme, die Guy Ritchie und Jason Statham internationale Karrieren einbrachten. Neben einem dichten und spannenden Plot, bietet LGF vor allem Hoskins in der Rolle seines Lebens: Harold Shand. Diesen Charakter konnte nicht einmal eine Duschszene mit Brusthaar ins Lächerliche ziehen. Nein, Hoskins spielt Harold mit einer Energie, die die Leinwand zu sprengen droht und die bis zur letzten (grandiosen) Szene  immer mehr ansteigt.

Vor ein paar Jahren wurde bei ihm Parkinson’s festgestellt und er zog sich zur Ruhe. Ein letztes Mal war er in Snow White And The Huntsman zu sehen, mit gebrochener Stimme, ein fast blinder Zwerg. Eine sanfte und würdevolle finale Vorstellung.

Seine Tochter hat einen schönen Artikel verfasst, mit Lebensweisheiten, die neben dem Schauspieler auch den Menschen und Vater zeigen: http://hautehoskins.com/2014/04/30/rosa-14/#sthash.9LCIVQ0B.rzgOxJa4.dpbs

Grand Budapest Hotel – ENGLISH Interview with Sebastian Lochmann

April 2, 2014 at 4:53 pm

Sebastian Lochmann

Sebastian Lochmann is without doubt one of the top artists in German and international movie business. His works include the mask of Speedracer, Bane’s scar in The Dark Knight Rises, and the adult version of the dragons in Game of Thrones. His extraordinary talent to make real life sculptures out of thin air got him to work on a bust of Tom Wilkinson’s character in Wes Anderson’s new film The Grand Budapest Hotel. Filmschland spoke to him, exclusively.

Grand Budapest Hotel – Interview mit Sebastian Lochmann

April 2, 2014 at 10:59 am

Sebastian Lochmann

Sebastian Lochmann gehört ohne Zweifel zu den Top-Künstlern in der deutschen und internationalen Filmszene. Zu seinen Arbeiten gehören die Maske des Speedracer, Banes Rückennarbe in The Dark Knight Rises, oder auch die erwachsene Version der Drachen in Game of Thrones. Sein großes Talent, quasi aus dem Nichts, realistische Skulpturen zu modellieren, brachte ihm den Auftrag, eine Büste von Tom Wilkinsons Charakter in Wes Andersons neuem Film The Grand Budapest Hotel zu fertigen. Filmschland konnte ihm dazu exklusiv ein paar Fragen stellen.

Wie fühlt es sich an, seine Arbeit überlebensgroß im Kino zu sehen?
Tatsächlich ergab sich für mich noch keine Gelegenheit, das fertige Resultat im Kino zu sehen. Allerdings weiß ich aus Erfahrung der letzten Jahre, dass es jedesmal ein tolles Gefühl ist, Derartiges für Filme zu schaffen. Zudem werden soviele zusätzliche Faktoren hinzu addiert, dass die Arbeit am Ende meistens eine höhere Wertigkeit bekommt.

Wie bist du zu dem Auftrag für die Tom-Wilkinson-Büste gekommen?
Ich beendete gerade meine Skulpturarbeit für den Film Beauty and the Beast in Babelsberg, als mich der Studio Manager des Art Departments anrief und mir im ersten Zuge nur die Frage stellte, ob ich verfügbar sei für eine Portraitbüste. Als ich zusagte, informierte er mich über das Projekt. Am selben Tag gab es ein erstes Meeting mit dem Produktionsdesigner Adam Stockhausen sowie den Art Direktoren Stephan Gessler und Gerald Sullivan.

Warst du Teil eines Teams?
Leider nicht. Nach der ersten Besprechnung war es mir Aufgrund der grossen Distanz zwischen meinem Zuhause und dem Studio Babelsberg wichtig, die Büste in einer Werkstatt in Kreuzberg anzufertigen. Die Art Direktion bekam täglich Bilder des Entstehungsprozesses von mir gesendet.

Hast du Wilkinson treffen können?
Nein. Selbst für die Anfertigung der Portraitbüste wurden keine Bilder zur Verfügung gestellt. Somit musste ich selbst über diverse Suchmaschinen im Internet aktuelle Bilder von Tom Wilkinson recherchieren. Nach Fertigstellung und Abnahme der Büste von Wes Anderson schien es unsicher ob Tom Wilkinson für die Rolle überhaupt verfügbar ist. Nach zweiwöchigem Warten gab es dann eine Bestätigung und die Büste konnte fertiggestellt werden.

Wie ist dein Arbeitsprozess?
Nach ausgiebigen Recherchen über den Darsteller beginnt die Planung. Das Art Department sendete mir ein Referenzbild für die Umsetzung der Büste. Das Bild zeigt das Portrait von Stefan Zweig in Bronze aus den 30er Jahren in Paris. Es folgt der Prozess des Modellierens bei dem täglich Bilder an das Art Department gesendet werden. Nach der letzen Abnahme von Wes Anderson folgt der Formenbau. Dabei wird eine negative Form der Skulptur aus Silikon und Epoxyd angefertigt. Im Anschluss entsteht ein neues Positiv der Skulptur ebenfalls aus Epoxydharz. Der letzte Arbeitsschritt ist die Bemalung. Dabei werden mehrere Farbschichten aufgetragen, die das Objekt am Ende als Bronzeguss aussehen lassen.

Tom-Wilkinson-GBH_Bust

Wieviel Zeit hattest du für die Fertigstellung?
Nach der ersten Besprechnung kalkulierte ich ca. 10 Tage für die Anfertigung. Dabei plane ich 5 Tage für das reine konzeptionelle Portrait sowie weitere 5 Tage für das sog. “Finishing”. Formenbau und Bemalung nehmen nochmals eine Woche in Anspruch. Soviel zur Theorie, aus produktionsbedingten Gründen streckte sich die Anfertigung auf ca. einen Monat.

Welches Material hast du verwendet?
Modelliert wurde mit einem technischen Ton. Das fertig bemalte Portrait besteht aus Epoxyd, das mit Acrylfarben bemalt wurde.

Änderungswünsche?
Gerne hätte ich Tom Wilkinson für meine Arbeit fotografiert und vermessen. Ich denke dieses Ergebniss hätte mich etwas glücklicher gemacht.

Wer hat die fertige Figur gegossen?
Beim Formenbau hatte ich Hilfe von Martin Schäper (Design of Illusion). Der Epoxydcast sowie die Bemalung ist von mir.

Tom-Wilkinson-GBH_Finish

Hast du Wes Anderson getroffen/gesprochen?
Bis auf die indirekte Abnahme gab es leider kein Kontakt zu Wes Anderson. Auch bei Screenings bzw. den Premieren ergab sich keine Gelegenheit, da ich doch meistens zu diesem Zeitpunkt bei einen neuen Projekt arbeitete.

Gab es eine Reaktion auf deine fertige Arbeit? Von wem?
Ich zeige meine Arbeiten in sozialen Netzwerken, dort gab es sehr positive Resonanz von Kollegen.

Ist es etwas Besonderes, für einen Hollywoodfilm zu arbeiten? Gibt es Unterschiede zu deutschen Produktionen?
Natürlich ist es immer etwas besonderes, seine Arbeit auf grosser Leinwand sehen zu können. Der Unterschied zu deutschen Produktionen ist, dass man mir bei „Hollywoodfilm Produktionen“ allgemein mehr Spielraum einräumt und mehr Vertrauen meiner Arbeit gegenüber entgegenbringt. Ich denke, dass es in diesem Punkt nicht um Geld geht – mehr um Erfahrung!

Gibt es zukünftige Projekte, über die du sprechen kannst? In Film oder Kunst?
Neue Arbeiten von mir gibt es in Guardians of the Galaxy, Dracula Untold und in Ridley Scotts Exodus zu sehen. Gerade arbeite ich an einem Projekt in England, das mir besonders am Herzen liegt, da mich das Thema auch persönlich schon immer interessiert hat: es geht um Menschenaffen.
Zwischen den Projekten arbeite ich an Skulpturen für eine erste Austellung. Das Thema sind “Die Sieben Todsünden“.
Zudem ensteht gerade, nach über 10 Jahren Arbeit in dieser Branche, ein Retrospective-Artbook mit dem Titel „The Sculptural Art of Sebastian Lochmann“.